Besserer „Brennstoff“ am Arbeitsplatz

Betriebliches Gesundheitsmanagement dient der Gesundheitsförderung und dem Gesund­heitserhalt von Mitarbeitern. Im Fokus stehen oft Bewegungs- und Sportangebote sowie Rückenschulungen und Vorsorgeuntersuchungen. Eine wichtige Rolle sollte allerdings auch richtige Ernährung spielen. Eine Studie zeigt, dass ein vermehrter Gemüse- und Obstver­zehr die geistige Leistungsfähigkeit verbessert.

Der Mensch denkt, wie er isst, so eine Studie zur Wirkung von Obst und Gemüse auf die geistige Fitness. Dass Obst und Gemüse gesund sind, war allerdings schon vorher Allge­meingut. Die Studie belegt nun, dass der, der gerne zubeißt, seine kognitive Leistungs­fähigkeit erhöht. Die Arbeitsspeicherkapazität des Gehirns wird dank Obst und Gemüse signifikant erhöht. „Die Studie zeigt“, sagt Studienleiter Dr. Siegfried Lehrl von der Ge­sellschaft für Gehirntraining, „dass sich die geistige Fitness durch eine bessere Ernähr­ung mit mehr Gemüse und Obst steigern lässt.“ Plakativ gesagt: Wer gut isst, denkt gut. Das sollte Arbeitgeber aufhorchen lassen. In einer Gesellschaft, in der es immer weniger auf Bizeps, aber immer mehr auf die Arbeit von Synapsen ankommt, müsste in Unter­nehmen mit Kantinenessen „gehirngerechte Ernährung“ als „Brain Tuning-Programm“ so wichtig sein wie bewegtes Sitzen.

Currywurst souveräner Spitzenreiter
Die Realität sieht anders aus. Daran haben auch die kaum noch überschaubaren Ernähr­ungstrends etwas geändert, auch wenn sich laut eines großen Lebensmittelkonzerns das Ess- und Einkaufsverhalten der Menschen unter dem Einfluss der digitalen Transforma­tion signifikant verändert hat. Nach wie vor führt der Imbiss-Klassiker „Currywurst mit Wellenschnittpommes“ die Charts in den Betriebsrestaurants an – seit 1992. Und weiterhin gilt, dass die Deutschen zu viel Zucker, zu viel Salz, zu viel Fette essen, während sie zwar die Küche als Lebensraum entdeckt haben, aber in der Küche laut Er­nährungsreport 2017 immer seltener gekocht wird. Trotz Ernährungsberatung und unzähliger Initiativen sind ernährungsabhängige Erkrankungen weiter auf dem Vormarsch.

Der Kollateralschaden einer falschen Ernährungsweise geht für das deutsche Gesund­heitssystem in die Milliarden. Das Biotechnologieunternehmen BRAIN AG und die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg beziffern die jährlich entstehenden direkten Kosten auf 16,8 Mrd. € – ohne Arbeitsausfall, Kurbehandlungen und Invalidität. Dabei ist die mentale Bereitschaft, das Gehirn fit zu halten, durchaus da. Für rund jeden zweiten deutschen Arbeitnehmer sind Angebote zur betrieblichen Gesundheitsförder­ung wichtig bei der Jobsuche. Neun Prozent würden sogar wegen eines besseren Fit- und Wellnessangebotes den Arbeitgeber wechseln. Die eigentliche Überraschung ist allerdings, dass mit je 17 Prozent nicht die Rückschulungen und Vorsorgeuntersuch­ungen die Hitliste bei den BGM-Angeboten anführen, sondern mit 19 Prozent gesundes Essen und gemein­schaftlicher Betriebssport. Das heißt allerdings, dass vier von fünf Arbeitnehmern hinsichtlich Gesundheitsangeboten leer ausgehen. „Brain Tuning“ durch „gehirngerechte Ernährung“ bleibt für sie Zukunftsmusik.

Revolution auf dem Teller. Fleisch ist das neue Gemüse und nicht mehr der Mittelpunkt eines Gerichts. Pflanzen erlangen eine neue Hauptrolle. Das sind die zentralen Thesen der international renommierte Food-Trendexpertin Hanni Rützler in ihrem Food Report 2018. Rützler spricht sogar von einer kopernikanischen Revolution. Allerdings bedeutet das nicht, dass wir alle zu Vegetariern werden. Vielmehr halten immer mehr Menschen Ausschau nach raffinierten Zubereitungsarten von Pflanzen. Die Esskulturen anderer Länder werden dabei zu Inspirationsquellen für neue Geschmackserlebnisse. Aktuell stehen Israel, Syrien, Jordanien und der Libanon im Fokus des Interesses – Küchen, die traditionell von Gemüse geprägt sind. Laut Food Report 2018 wird unsere Esskultur legerer, gesünder, aromatischer und weltoffener. Herausgeber des Food Reports 2018 sind das Zukunftsinstitut und die Lebensmittel Zeitung.