Büroumgebung genießt hohen Stellenwert

Neun von zehn Bundesbürgern fühlen sich im Job gestresst. Die Ursachen: Termindruck, schlechtes Arbeitsklima, Stress und ständige Erreichbarkeit. Eine klare Mehrheit begrüßt allerdings die Veränderungen der Arbeitswelt durch digitale Technologien. Einen Beitrag für mehr Mitarbeiterzufriedenheit und höhere Produktivität leisten auch Investitionen in die Bürogestaltung, die Integration von Technik und eine gute Work-Life-Balance – wie eine Studie des Forschungsinstituts Oxford Economics zeigt.

 

Die Analysen und Studien von Krankenkassen, Berufsgenossenschaften, Gewerkschaften und Forschungseinrichtungen zur Qualität heutiger Arbeit könnten kaum unterschiedlicher ausfallen. Im Groß- und Einzelhandel arbeiten bereits 3,4 Millionen Beschäftigte am Limit. Jeder sechste Fehltag geht auf psychische Erkrankungen zurück, so der Branchenreport Handel der DAK-Gesundheit und der Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik. Deutschlands Arbeitnehmer brennen aus, stellt Ende Mai die Betriebskrankenkasse pronovaBKK lapidar fest. Besonders gefährdet seien Arbeitnehmer im Alter von 18 bis 39 Jahren – kaum im Amt und Würden, sind sie schon potenzielle Kandidaten für die Therapie. Die Spirale des Drucks geht in der Regel von der Führungsebene aus.

 

Auch bei der Durchsetzung von Arbeitszeitwünschen beißt über die Hälfte der Beschäftigten auf Granit – wie eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung zeigt, obwohl rund 40 Pro-zent der Befragten am liebsten kürzer treten möchten. Die repräsentative Bevölkerungsumfrage des Institutes für Demoskopie Allensbach, durchgeführt im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, spricht hingegen von einer „hohen Arbeitszufriedenheit“, die für die Demoskopen umso bemerkenswerter ist, als „die Berufstätigen durchaus von Belastungen und spürbaren Veränderungen ihres Arbeitsumfeldes berichten.“

 

Investitionen in Bürogestaltung lohnen sich
So schlecht kann es offensichtlich in den Schaltzentralen der Wirtschaft also nicht aussehen. Global betrachtet ist jedenfalls der Trend zum Homeoffice rückläufig, während der Wunsch nach einem Sabbatical zunimmt, wie das Hamburger Startup Joblift betont. Die Jobsuchmaschine analysierte das Suchvolumen der Begriffe Sabbatical und Homeoffice im deutschlandweiten Vergleich über die letzten zwei Jahre. Das moderne Büro scheint keineswegs die Hölle zu sein, wie es einige Statistiken suggerieren. Dass Unternehmen auch durch aktive Gestaltung moderner Arbeitsumgebungen einen Beitrag zur Mitarbeiterzufriedenheit leisten können, zeigt eine Ende Juli 2016 veröffentlichte Studie des Forschungsinstitut Oxford Economics. Die Analysten befragten weltweit über 1.200 Führungskräfte und Angestellte aus verschiedensten Industrie- und Funktionsbereichen zu den Veränderungen und Herausforderungen heutiger Arbeitsplatzgestaltung. Und das sind die wichtigsten Ergebnisse:

 

1. Die Möglichkeit, fokussiert und ohne Unterbrechungen zu arbeiten, hat für 29 Prozent der weltweit befragten Mitarbeiter Top-Priorität, wenn es um die Gestaltung der Büroumgebung geht. Sogar 38 Prozent der deutschen Angestellten urteilten so.

 

2. Von Angestellten wird oft erwartet, dass sie rund um die Uhr mit ihrem Arbeitsplatz in Verbindung stehen. Allerdings bestätigten nur 40 Prozent der Befragten, dass sich die Geräte, die sie zuhause oder unterwegs verwenden, problemlos mit den Lösungen im Büro integrieren lassen. Bei den deutschen Befragten gaben dies sogar nur 28 Prozent an.

 

3. Mehr als ein Drittel der befragten Angestellten weltweit wie in Deutschland begründeten die häufige Nutzung ihrer technischen Geräte vor allem mit Gewohnheit, Zwang, der Angst etwas zu verpassen oder gar sozialem Druck.

 

4. Beinahe zwei Drittel der Führungskräfte gaben an, dass ihre Angestellten über alle technischen Tools verfügen, um Ablenkungen und Störungen während der Arbeit zu reduzieren. Dem stimmten weniger als die Hälfte der befragten Mitarbeiter zu.

 

Die Studie „When the walls come down“ empfiehlt allen Unternehmen, mit Ihren Mitarbeitern offen über ihre Einschätzung und die Optimierung der Gestaltung der Arbeitsumgebung, Arbeit von zuhause und unterwegs sowie eingesetzter Technik zu sprechen. Sie kann unter https://www.oxfordeconomics.com/when-the-walls-come-down heruntergeladen werden.

Motorisch höhenverstellbare Arbeitsplätze des TALOS.S-Programms bei der Telekom.Es muss nicht immer Flower Power sein, um die Synapsen anzuregen. Oder ein Sabbatical, um die Motivation wieder zu steigern. Auch klassische Steh-Sitzarbeitsplätze vermögen Mitarbeiter auf Trab zu bringen. Vor zwei Jahren veröffentlichte die Cardiff University eine Studie zum Thema „Green Offices“. Pflanzen, hieß es, würden die Produktivität um bis zu 15 Prozent erhöhen. Jetzt kommt das „Texas A&M Health Science Center School of Public Health“ zum Ergebnis, dass sich regelmäßiges Stehen bei der Arbeit nicht nur positiv auf die Gesundheit auswirkt, sondern ebenfalls die Produktivität steigert. Die Wissenschaftler verglichen über einen Zeitraum von sechs Monaten zwei Kontrollgruppen in einem Call Center, die entweder stehend-sitzend oder ausschließlich stehend arbeiteten. Das Ergebnis: Die „Call Center-Agents“ mit einem Steh-Sitzarbeitsplatz zeigten eine deutlich bessere „Performance“. Sie waren um 45 (!) Prozent produktiver als die Gruppe, die durchschnittlich etwa 91% ihrer Zeit saß. Weitere Informationen unter www.cardiff.ac.uk und www.tandfonline.com.