Der Geist bestimmt den Raum

Vier Megatrends bestimmen die Zukunft der Arbeit. Davon zeigt sich Markus Schumm überzeugt, der Anfang 2014 mit Christian Rösch „Schumm und Rösch Working Spirit“, Wiesbaden, aus der Taufe hob. Möbel spielen dabei eine wichtige Rolle, sagt Schumm, aber sie kommen erst am Ende einer langen Prozesskette ins Spiel, wenn der „Spirit“ eines Unternehmens eingefangen ist. K+N City News sprach mit dem „Newcomer“.

K+N City News: Herr Schumm, fehlte der Branche was, als Sie „Schumm und Rösch Working Spirit“ gründeten?
Markus Schumm: Kerngeschäft und Hauptumsatzträger ist immer noch der Verkauf von Büro- und Objektmöbeln. Dennoch glaube ich, dass sich die Arbeitswelt aufgrund von vier Megatrends ändern wird. Dazu zähle ich die Informations- und Kommunikationswissenschaften, die Transformation zur Wissensgesellschaft sowie die Themen Demografie und Nachhaltigkeit. Diese Faktoren führen zu gravierenden Veränderungen von Flächen und Gebäuden, der Innenarchitektur, aber auch der Architektur selbst.

Und welchen Einfluss hat das auf die Arbeit allgemein und nicht zuletzt auf Ihr Geschäft?
In erster Linie auf die Art und Weise, wie Menschen heute und in Zukunft zusammenarbeiten, welche Ansprüche sie haben und welche Arbeits- und Raumumgebung sie brauchen, um kreativ und leistungsfähig zu sein. Am Ende dieser Prozesskette steht die Hardware. Hier bieten wir keinen Bauchladen, sondern haben uns so aufgestellt, dass wir für jedes Einrichtungssegment und jeden Einrichtungsbereich nur wenige Hersteller im Boot haben. Das heißt, dass wir sowohl im Premium- als auch im mittleren Segment agieren, aber uns klar nach unten abgrenzen. Wir stehen für Qualität und Nachhaltigkeit. Das liefert die Basis, um uns strategisch in Richtung Dienstleistung, Beratung und Planung zu positionieren.

Üblicherweise rechnet das Denken immer mit einem großen Showroom, wenn es von einem Fachhändler hört. Bei Ihnen muss es umdenken. Warum?
Ein wichtiges Thema ist für uns Glaubwürdigkeit. Deshalb sitzen Sie auch mitten in unserem Showroom. Wir wollen moderne Arbeitswelten nicht nur predigen, sondern auch glaubhaft präsentieren und vorleben. Der zweite Aspekt ist, dass man verschiedene Ansätze dieser modernen Arbeitswelt zeigen kann. Und drittens ist es uns wichtig, selbst eine inspirierende Arbeitsumgebung zu haben, die Austausch und Kommunikation erlaubt.

Sie definieren sechs Kompetenzfelder für sich. Ich vermute, dass 90 Prozent der Fachhändler exakt diese Felder als ihre Stärken angeben. Wo sind Sie anders?
Das ist richtig, aber wir behaupten es nicht nur, wir tun es auch. Das Produktportfolio liefert das Fundament für die strategische Ausrichtung. Wenn sich die Arbeitswelt tatsächlich verändert, dann stehen Möbel zwar am Ende der Prozesskette, aber sie werden eine tragende Rolle dabei spielen, um den Anforderungen Gestalt im Raum zu geben. Zunächst müssen Fragen der Unternehmenskultur, der Arbeitsablauf- und Kommunikationsprozesse, der Organisation und auch der Altersstruktur geklärt werden. Es gibt also viele Faktoren in einem Unternehmen, die man verstehen und auch hinterfragen muss, um zu erfahren, von welchem „Spirit“ das Unternehmen getragen wird. Dieser Geist bestimmt die Raumkultur.

Das Objektgeschäft, das, wie Sie sagten, die Basis liefert, ist hart umkämpft. Wie kann man da als Fachhändler bestehen?
Dass wir Planungen verschenken, daran krankt die Branche ja seit Jahren, aber dass wir im vergangenen und auch in diesem Jahr einen ordentlichen Planungsumsatz machen, liegt an unserer Ausrichtung, nicht nur auf Hardware zu fokussieren. Sobald sie das tun, geht das auf die Marge. Wenn sie die Ausrichtung auf Beratung und Planung, auf Inhalte und Qualität legen, haben sie die Möglichkeit, auch damit Umsätze zu generieren.

Was waren überhaupt die Gründe, mit einem eigenen Fachgeschäft ans Netz zu gehen?
Ich wollte einfach unternehmerisch tätig sein und mit Christian Rösch die Ausrichtung selbst bestimmen können. Wir sind der felsenfesten Überzeugung, dass wir in die richtige Richtung gehen, was uns jede Menge Motivation gibt, uns dem Risiko der Selbstständigkeit auszusetzen.

Die Banken haben nur auf Sie gewartet, weil es eine High Potential-Branche ist oder?
Natürlich. Gehen sie mal zu einer Bank und sagen, wir sind Büro- und Objekteinrichter, möchten uns selbstständig machen, da werden sie umarmt und auf Händen wieder rausgetragen. Grundlagen sind ein super sauberer Businessplan, eine vernünftige Eigenkapitalquote und sie müssen überzeugend sein. Leider belegt unsere Branche im Rating keinen guten Platz, was zu Risikozuschlägen führt. Umso stolzer sind wir, es geschafft zu haben.

Und der Start verlief nach Plan?
Der Anfang war spannend, aber auch ein sehr energiereicher Prozess, weil wir die Botschaften nach Außen tragen und unser Netzwerk aktivieren mussten. 2014 konnten wir über Plan abschneiden und mit einem vernünftigen Auftragsbestand ins neue Jahr starten. Wir schauen optimistisch nach vorne.

Unternehmen seien nur so „fit“ wie die Mitarbeiter, heißt es. Angesichts der steigenden Zahl an Rückenleiden und der Zunahme psychischer Erkrankungen könnte man zum Schluss gelangen, mit der Fitness ist es nicht weit her oder?
Ich glaube, dass hier die individuelle Komponente eine große Rolle spielt und viele Unternehmen es unterschätzt haben, welche Bedeutung Arbeitsumgebung sowie Gesundheitsprävention am Arbeitsplatz besitzen und welche Auswirkungen diese schließlich auf die Performance und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter haben. Prävention wird meines Erachtens jedenfalls immer wichtiger, umgekehrt aber auch die Bereitschaft größer, Geld dafür zu investieren, weil es für die Work-Life-Balance entscheidend ist.

Manche Begriffe sind ideologisch belastet. Nehmen Sie nur das Einzelbüro. Ändert sich das? Geht die Tendenz zu Open Space oder welche Trends sehen Sie?
Alles und nichts. Ich wehre mich entschieden dagegen, zu sagen, dass eine Büroform in Zukunft die allein beherrschende ist und uns glücklich macht. Was ich sagen kann, ist, dass Unternehmen nie alle Mitarbeiter gleich behandeln können. Open Space ist nicht per se gut und die Zelle die Hölle oder umgekehrt. Ich muss es immer unternehmens- und abteilungsspezifisch analysieren und Antworten für eine individuelle Raumkultur finden. Gleichwohl werden zukünftig die Themen Wohlbefinden und Kollaboration in offenen, kommunikationsfördernden Raumstrukturen eine große Rolle spielen.

Apropos fit, wie halten Sie sich denn fit?
Zu Anfang des Jahres erstellen wir ein Stärken-Schwächen-Profil für jeden Mitarbeiter, um die Stärken zu erkennen und auszubauen. Während der Januar-Gespräche wird festgelegt, was für Schulungen realisiert werden. Außerdem steht das Thema Persönlichkeitsentwicklung auf dem Programm. Das halte ich für ein ganz wichtiges Thema.

Bei „Schumm und Rösch Working Spirit“ wird auch am Ich gearbeitet?
Ja, denn das Personal ist unser wertvollstes Kapital. Christian Rösch und ich können noch so gut sein, wenn es nicht im Team funktioniert, ist alles für die Katz.

Herr Schumm, wir bedanken uns für das Gespräch.

Auf einen Blick:
Zusammen besitzen Markus Schumm und Christian Rösch über 35 Jahre Branchenerfahrung. Im Januar 2014 wagten sie den Schritt in die Selbstständigkeit. Beide, der eine Mathematiker, der andere Betriebswirt, bezeichnen sich als „Hunter“, die sich perfekt ergänzen, weil sich ihre Fähigkeiten „addieren“ und beide in dieselbe Richtung marschieren. „Schumm und Rösch Working Spirit“ versteht sich als Fullservice-Dienstleister mit einem ausgesuchten Portfolio von klangvollen Marken, unter anderem König + Neurath. Das Branchenmagazin Mensch & Büro stellte die Newcomer im Rahmen seiner Serie „Fachhändler im Porträt“ in der Ausgabe 4/2015 vor.