Einblicke in das Büro von morgen

Die Vernetzung von Informations- und Kommunikationstechnik in der Produktion zur Industrie 4.0 stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen. Die vierte industrielle Revolution verändert allerdings nicht nur die Fabriken; die Integration digitaler Technologien und der aktuelle Wertwandel verändern auch die Art und Weise, wie Menschen im Büro miteinander arbeiten. Wie eine neue Bürowelt aussehen könnte, um den veränderten Anforderungen Rechnung zu tragen, darauf gab die Veranstaltung „WorkLounge 4.0. Workplace wird Future Workspace“ eine Antwort.

Innovationen, zeigt sich die Bundesregierung in ihrer Hightech-Strategie sicher, entstünden aus dem Zusammenspiel von gesellschaftlicher Nachfrage, wissenschaftlichen Entwicklungen und technologischen Möglichkeiten. Innovationen, glaubt Rüdiger Schneider, Inhaber des Planungs- und Beratungsunternehmens für Büro-, Arbeits- und Laborkonzepte, Aconsea, brauchen eine differenzierte Arbeitsumgebung, die informelle und spontane Kommunikation fördert, aber auch Rückzugsmöglichkeiten für konzentriertes Arbeiten bietet. Aconsea zählte neben der Consulting- und Ingenieurgesellschaft für audiovisuelle Kommunikationslösungen, Macom, und dem internationalen Komplettanbieter von Büro- und Sitzmöbeln sowie Raumsystemen, König + Neurath, zu den Veranstaltern des ersten Zukunftsworkshops „Worklounge 4.0. Workplace wird Future Workspace“. Veranstaltungsort der interdisziplinären Auftaktveranstaltung war „Das Büro“, ein Veranstaltungsraum im Zentrum Stuttgarts, der individuell bespielt werden kann.

Zurück in die Zukunft?
Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Dennoch gibt es Indikatoren, die den Rahmen für zukünftige Arbeitswelten abstecken. Dazu zählt die Nutzung von Smartphones und Tablets, von sozialen Medien und moderner Medientechnik. Mobile Geräte erlauben es mittlerweile Mitarbeitern, von überall aus zu arbeiten. Allerdings macht die Technik uns damit nicht zwangsläufig zu kreativen Köpfen. Darauf wies der Keynote-Speaker des Zukunftsworkshops László Földesi hin, Preisträger des Future Award 2014. Die zentrale These seines Impulsvortrages „Zurück in die Zukunft – Arbeiten in der Welt von Morgen“ lautete, dass „Infrastruktur ohne Intrastruktur“ wertlos sei. Erst gemeinsame Werte und eine offene Kommunikation bringe ein kreatives Klima hervor, das Innovation fördere. Je mehr Technik ins Büro einzieht, umso wichtiger wird die Face-to-Face-Kommunikation. Gleichzeitig verlieren Unternehmen ihr Wissensmonopol. Immer häufiger werden Konsumenten zu Prosumenten, die Unternehmen bei der Entwicklung neuer Produkte helfen. Földesis Empfehlung an die Wirtschaft 4.0: Weg vom Change Management und hin zum Development Management, das Wissen nach Innen und Außen teilt und bei dem Unternehmen zu „Heimathäfen“ werden, in denen jeder Mitarbeiter ein Kapitän ist.

Das Büro als Stadtlandschaft
Die Bedeutung von informeller Kommunikation als Treiber von Innovationen unterstrich Rüdiger Schneider. 80 Prozent aller innovativen Ideen würden in der persönlichen Kommunikation entstehen. Aber wie muss eine Arbeitsumgebung von heute beschaffen sein, um diesen kreativen Prozess zu stimulieren. Im Mittelpunkt jeder Nutzerbedarfsanalyse stehen immer Menschen und Prozesse. Erst auf Basis der Ist-Analyse lassen sich optimale individuelle Bürokonzepte entwickeln. Der Trend geht seit Jahren zu komplexen Modellen, die der Struktur einer Stadt gleichen. Darauf wies König + Neurath Verkaufsleiter Jürgen Voßeler hin. Der Karbener Kompletteinrichter präsentierte in „Das Büro“ eine Stadtlandschaft auf Basis seines modularen Mittelzonen-Konzepts NET.WORK.PLACE, um den über 30 Teilnehmern einen Einblick in kommunikationsfördernde Raumstrukturen zu geben. Oliver Mack von der Macom GmbH wies in seinem Vortrag darauf hin, dass die Integration digitaler Technologien in allen Bereichen des Arbeitsplatzes immer wichtiger wird. Das Unternehmen hat sich auf die ganzheitliche Planung und Beratung audiovisueller Kommunikationslösungen spezialisiert. Laut Mack falle dem Thema Nutzerorientierung eine immer wichtigere Rolle zu. Im Anschluss an die Referate entwickelten die Teilnehmer in den Workshops „Fläche“, „Räume“ und „Medientechnik“ Anforderungsprofile für zukünftige Bürowelten. Zentrale Ergebnisse der drei Workshops: 1. Räume dürfen nicht perfekt sein, müssen aber so attraktiv gestaltet werden, dass die Nutzer gerne kommen. 2. Die Gestaltung informeller Kommunikation ist eine der größten Herausforderungen. 3. Neue Technologien bergen ein erhebliches Produktivitätspotenzial, wenn sie sich am Nutzer orientieren. Die nächste Veranstaltung „WorkLounge 4.0“ ist für den 22. September 2016 erneut in „Das Büro“ geplant.