Erfolgreicher Wandel braucht Visionen

Neue Arbeitsformen sind in deutschen Unternehmen wenig verbreitet. Lediglich ein Viertel nutzt sie teilweise oder in hohem Umfang. Der Vergleich zwischen Unternehmen mit einem hohen Anteil und der mit einem niedrigen Anteil zeigt allerdings, dass neue Arbeitsformen einen positiven Effekt auf die Unternehmensleistung haben können. Das sind die zentralen Ergebnisse der „Top-Trend“-Studie des Konstanzer Zentrums für Arbeitgeberattraktivität und der Universität St. Gallen.

 

Digitalisierung, Globalisierung und demografischer Wandel stellen die größten Herausforderungen seit der industriellen Revolution da. Davon zeigt sich auch die ORGATEC überzeugt, der Think Tank der internationalen Büromöbelindustrie. Die internationale Plattform für moderne Arbeitswelten, die vom 25. bis 29. Oktober 2016 mit den Themenbereichen „Contract“, Mobile“ „Space“ und „Office“ Impulse für inspirierender Arbeitswelten setzen will, zeigt sich jedenfalls überzeugt, dass Arbeitgeber mehr denn je gefordert sind, in ihren Unternehmen eine offene Kommunikation und ein motivieren des Umfeld zu schaffen. Je eigenbestimmter die Einrichtung des Arbeitsplatzes des Arbeitsplatzes, desto höher sei nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch die Effizienz und Effektivität der Mitarbeiter. Wird also die traditionelle Büroarbeit mit ihren starren Hierarchien und die strikte Trennung von Arbeit und Freizeit von modernen Formen der Zusammenarbeit abgelöst?

Die Ende Juni veröffentlichte Trendstudie „Arbeitswelt im Umbruch“, die Erfolgsfaktoren für neue Arbeitsformen untersuchte, kommt zu einem differenzierten Bild. Zwar würde die Bedeutung von kooperativer Teamarbeit, verantwortungsvoller und autonomer Arbeitsgestaltung mit ständiger Lernbereitschaft zunehmen, aber diese Faktoren seien allein noch kein Erfolgsgarant, um die digitale Transformation zu schultern. Die schöne neue Arbeitswelt, sei zwar bei 25 % der befragten Unternehmen angekommen, aber 19 %, die neue Arbeitsformen implementiert hatten, haben sich dabei auch die Finger verbrannt. Befragt wurden 19.884 Führungskräfte aus dem deutschsprachigen Raum befragt. An der Befragung nahmen Unternehmen, die auf unterschiedliche Branchen verteilen, mit 12 bis 5.000 Mitarbeitenden teil. Im Durchschnitt wiesen die Unternehmen 305 Mitarbeiter auf. 54 % der Unternehmen geben an, in Familienbesitz zu sein.

 

Pioniere sind innovationsgetrieben
Die Studie unterscheidet vier Unternehmenstypen: „erfolgreiche Pioniere“, „klassische Hochleister“, „moderne Überforderte“ und „traditionelle Mittelfeldspieler“. So erzielen 30 % der „klassischen Hochleister“, die weiter an tradierten Arbeitswelten festhalten und herkömmliche Human Relation-Konzepte verfolgen, hohe Erfolge, während nur 6 % der „Pioniere“ sehr erfolgreich sind. Ein anderes Bild zeigt sich bei der Innovationsfähigkeit. Hier haben die „Pioniere“ die Nase vorne. Die Innovationsrate liegt bei den „erfolgreichen Pionieren“ um 10 % höher als bei „klassischen Hochleistern“ – ein Faktor, der sich langfristig auszahlen dürfte. Zudem gelingt es „Pionieren“, Mitarbeiter stärker ans Unternehmen zu binden. Sie sind zudem als Arbeitgeber besonders attraktiv. Die „modernen Überforderten“ kranken in erster Linie daran, dass sie ihre Mitarbeiter nicht „mitnehmen“ und zu sehr auf Spezialisten bei der Umsetzung neuer Arbeitsformen setzen.

Ob Unternehmen die Veränderungen der Arbeitswelt mit neuen Arbeitsmodellen erfolgreich meistern, wird nicht nur auf der technischen, sondern vor allem auf der menschlichen Ebene entschieden. In erster Linie entscheidet eine Führung mit Visionen über den Erfolg. Eine weitere Voraussetzung ist, dass Unternehmen eine Vertrauenskultur aufweisen, geprägt von einem ausgesprochenen Unterstützungsklima. Gleichzeitig müssen die Mitarbeiter eine hohe soziale Kompetenz mitbringen und sich stark mit dem Unternehmen identifizieren. Und zu guter Letzt müssen Unternehmen flexible Strukturen mit einer starken Dezentralisierung sowie wenig Formalisierungen aufbauen. Gelingt das, so die Autoren, wirken sich neue Arbeitsformen positiv auf die Unternehmensleistung, das Wachstum und den Return on Investment aus. Die Studie ist auf www.topjob.de kostenfrei erhältlich.

Weitere Informationen:
www.orgatec.de

 

Verbreitung neuer Arbeitsformen
Flexible Arbeitszeiten: Sie sind die am meisten verbreitetste neue Arbeitsform. 72 % nutzt flexible Arbeitszeiten von Zeit zu Zeit; weitere 21 % der Unternehmen sind in ihren Arbeitszeiten in höchstem Maße flexibel.
 
Homeoffice: Nur 2 % der Unternehmen nutzen das Arbeiten von Zuhause aus stark, 23 % der Unternehmen nur ab und zu. Bei 75 % der befragten Unternehmen spielt es kaum eine Rolle.
 
Desk Sharing: 7 % nutzen Desk Sharing intensiv und weitere 10 % gelegentlich. Die Mehrheit (83 %) nutzen dieses Modell wenig oder überhaupt nicht.
 
Individualisierte Arbeit: 12 % der Unternehmen setzen gezielt auf individualisierte Arbeit. 11 % bereits teilweise. Bei 77 % der Unternehmen ist es kein Thema.
 
Virtuelle Teams: 81 % der Unternehmen setzen auf Face-to-Face Interaktion. 6 % bieten virtuelle Zusammenarbeit teilweise an. 13 % nutzen vorwiegend digitale Kommunikationsmedien.
 
Fluide Teams: 71 % der Unternehmen arbeiten langfristig in festgelegten Teamstrukturen. Bei 14 % ändert sich das Team von Zeit zu Zeit, nur bei 15 % der Unternehmen findet ein häufiger Wechsel der Teamkollegen statt.