Flexibles Arbeiten steht hoch im Kurs

Flexible Arbeitszeit, Homeoffice sowie die Verpflegung am Arbeitsplatz sind für Arbeitnehmer die wichtigsten Kriterien, wenn sie auf der Suche nach neuen Arbeitgebern sind. Zu diesem Ergebnis kommt eine Erhebung der Arbeitgeber-Bewertungsplattform kununu.com. Aus über 100.000 Suchanfragen von Jobinteressierten wurden die TOP 10 der beliebtesten Nebenleistungen ermittelt.

Kommen jetzt harte Zeiten auf Arbeitgeber zu, weil attraktive Gehälter und spannende Aufgaben nicht mehr die wichtigsten Faktoren bei der Positionierung als Arbeitgebermarke sind? Was macht ein Unternehmen dann zu einem attraktiven Arbeitgeber? Einblicke liefert ein aktuelles Ranking der Arbeitgeber-Bewertungsplattform kununu.com. Das Arbeitgeber-Bewertungsportal, seit 2007 im Netz und nach eigenen Angaben mit 733.000 Bewertungen von 183.000 Firmen Marktführer in diesem Segment, will ein „Puzzleteil“ zu einem „ganzheitlichen Bild“ eines Arbeitgebers liefern, das gesetzliche und moralische Regeln einhält. Die Vielzahl und die sehr differenzierten Bewertungskriterien, die von 13 harten Parametern wie Vorgesetztenverhalten bis zu 19 Benefits („Goodies“) wie Kinderbetreuung und gute Verkehrsanbindung reichen, nähren allerdings den Eindruck, hier entstehe vollkommene Transparenz und eine Art „brutalstmöglicher Glasnost“, die Formen der Überwachung und Kontrolle annehmen könnte. Die Erfahrungsberichte bieten jedenfalls einen tiefen Einblick in das, was Arbeitnehmern bei Arbeitgebern heute wichtig zu sein scheint. Ob Work-Life-Balance, flexible Arbeitszeiten oder Homeoffice; ob Arbeitsbedingungen und -atmosphäre oder Essenszulagen und die Mitnahme von Hunden. Der Arbeitgeber bleibt buchstäblich kein unbeschriebenes Blatt mehr.

Neue Sichtweise erforderlich
Basierend auf einer Auswertung von über 100.000 Suchanfragen ermittelte kununu.com die am meisten nachgefragten Nebenleistungen von Jobsuchenden. Flexibles Arbeiten, Homeoffice und eine Kantine werden demnach am häufigsten gewünscht. Goodies wie Coaching, Mitarbeiter-Events, Mitarbeiter-Beteiligung oder Betriebsarzt sind von vergleichsweise geringer Relevanz und erscheinen nicht unter den TOP 10 Kriterien. kununu.com-Chef Dr. Florian Mann versteht das Ranking als Handlungsauftrag an die Unternehmen. „Vereinfacht könnte man diese kununu-Daten nun so interpretieren, dass Chefs bei ihren Mitarbeitern mit flexibler Gestaltung von Arbeitszeit/-ort und Verpflegung punkten können. Viel wichtiger ist jedoch eine fundamentale Veränderung der Sichtweise. Es geht um eine systematische Auseinandersetzung mit den tatsächlichen, sich verändernden, Bedürfnissen der Mitarbeiter sowie ein explizit darauf abgestimmtes Angebot von Benefits.“

Potenziale nicht ausgeschöpft
Zu einem ähnlichen Schluss, sprich einer Veränderung der Sichtweise, kam Mitte des Jahres auch die Münchener Personalberatung personal total nach der Analyse von Stellenanzeigen. Lediglich in rund 1,4 Prozent der Stellenanzeigen aus den letzten 12 Monaten wurde aktiv auf das Arbeiten von zu Hause aus hingewiesen. Das überrascht umso mehr, als die Arbeit im Homeoffice laut einer BITKOM-Studie zum Alltag für viele Arbeitnehmer zählt. 23 Prozent der Arbeiter, Angestellten oder Beamten arbeitet hin und wieder von zu Hause aus, 21 Prozent sogar regelmäßig. Nach Einschätzung von personal total könnten mit flexibleren Regelungen und einer reduzierten Anwesenheitspflicht wichtige Potenziale auf dem Personalmarkt aktiviert werden. „Homeoffice-Angebote (können) nach unserer Einschätzung“, so personal total-Vorstand Armin Betz, „ein sinnvolles und wirksames Instrument der Personalpolitik sein. Dies gilt nicht nur für berufstätige Mütter oder Väter, sondern betrifft auch Produktivitätssteigerungen, etwa wenn bestimmte Aufgaben einfach etwas mehr Ruhe und Muße verlangen.“ Überhaupt scheint eine ausgeglichene Work-Life-Balance immer mehr das Pfund zu sein, mit dem Arbeitgeber wuchern können. Bei einer Studie des Online-Anzeigenportals kalaydo.de zum Thema, was Unternehmen zu einem attraktiven Arbeitgeber machen würde, nannten 50 Prozent Work-Life-Balance als wichtiges Kriterium. Ein attraktives Gehalt und spannende Aufgaben sind hingegen nur für gut 22 Prozent bzw. 27 Prozent der Bewerber ein wichtiges Argument. Wenig überraschend dürfte sein, dass, je mehr die Familienplanung in den Mittelpunkt rückt, der Stellenwert der Work-Life-Balance bei der Jobsuche steigt. Weniger ausgeprägt ist sie dagegen bei den unter 30-jährigen und den über 50-jährigen.

Arbeit geht auch durch den Magen
Die Daten der kununu.com-Auswertung bestätigen offensichtlich den seit einigen Jahren vieldiskutierten Trend nach einer gesunden Work-Life-Balance. Bereits die Erhebung von 2011 zeigte, dass die wichtigsten Benefits für Mitarbeiter „flexible Arbeitszeiten“ (18,28 Prozent) und „Homeoffice“ (9,20 Prozent) waren. Ihre Bedeutung hat erneut zugelegt. Aufsteiger des Jahres im aktuellen Ranking ist das Benefit „Kantine“ (6,22 Prozent). Betriebskantinen scheinen immer häufiger Teil der Unternehmenskultur zu werden, was sich auch daran zeigt, dass zum ersten Mal das Benefit „Essenszulagen“ in den TOP 10 vertreten ist. Die Arbeit kann nicht nur auf den Magen gehen, sondern sie schafft es im Idealfall auch, den Teamgeist zu fördern.

Related Links