Generation Y „tickt“ normal

Das Bedürfnis nach mehr Freiraum, Flexibilität und Selbstverwirklichung am Arbeitsplatz sowie eine ausgeglichene Work-Life-Balance prägen das Denken der Generation Y. So die gängige Meinung. Jetzt zeigen zwei Studien, dass sich die Millennials gar nicht wesentlich von der Generation Golf unterscheiden.

Über keine Generation ist so viel geschrieben worden wie über die Generation Y – sieht man von der 68er ab, die jetzt den Ruhestand genießt. Anders sieht es mit der Bevölkerungsgruppe aus, die etwa im Zeitraum von etwa 1980 bis 1999 geboren wurde und als Millennials, Digital Natives oder Generation Y Karriere machte. Diese Sandwich-Generation, ist zwar auf dem Arbeitsmarkt besonders begehrt, ihr wird aber seit Jahren einiges vorgeworfen. Selbstsüchtig sei sie, primär an Freiheit, Freizeit und Work-Life-Balance interessiert und an Arbeit nur, wenn sie sinnerfüllend ist und sie ein Wort mitreden kann. Was stimmt aber an diesen Etikettierungen?

Hochgradig anpassungsfähig
Zwei Studien räumen mit einigen Zuschreibungen auf. Das ISF München und das SOFI der Universität Göttingen untersuchten die Interessen und Ansprüche der Generation Y. In vielen Punkten, so die Wissenschaftler, würden sich die jüngeren Beschäftigten nicht wesentlich von den älteren Mitarbeitern unterscheiden – im Gegenteil. Oft zermürbt durch einen holprigen oder quälenden Berufseinstieg, sei die jüngere Generation eher bereit, Entscheidungen der Unternehmensführung zu akzeptieren, die mit „Sachzwängen“ oder „Anforderungen des Marktes“ begründet werden. Auch mit dem „kollektiven Bewusstseinssprung“, der uns laut Prof. Jan Theunen, vehementer Verfechter des Büros als Gewächshaus für Kreativität, „kritischer, mündiger und informierter“ gemacht hat, ist es nicht weit her. Aus Angst um den Arbeitsplatz trauten sich viele der Jüngeren nicht, gerechtfertigte Forderungen zu stellen oder Grenzen zu setzen.

Die Spießer sind zurück
Ernüchternd auch die Studie des Workspace-Vermieters Friendsfactory, die mit einigen Klischees über die Generation Y aufräumt, die Millennials würden zwar grundsätzlich gerne arbeiten, aber nicht unbedingt so, wie es uns die Trendexperten vorgaukeln. In erster Linie wünschen sie sich Ruhe für konzentriertes Arbeiten und einen festen Ar-beitsplatz, während Co-Working keine Begeisterung hervorruft. „Diesen Wunsch nach festen Strukturen hätte man so nicht erwartet. Früher hätte man das als spießig bezeichnet“, sagt Gregor Gebhardt, Vorstand Friendsfactory AG.

Dass ältere und jüngere Beschäftigte offensichtlich mehr gemeinsam haben, als bisher angenommen wurde, heißt nun nicht, dass alles beim Alten bleibt. Der Abbau von Hierarchien in Unternehmen und der Aufbau von intelligenten Arbeitszeitmodellen dürfte weiter voranschreiten. Wie allerdings das Büro der Zukunft aussehen wird, bleibt dennoch eine spannende Frage. Die Studie von Friendsfactory gibt erste Antworten darauf. 70 % wünschen sich für den Austausch mit Kollegen einen Aufenthaltsraum; 65 % Gemeinschaftsflächen – weshalb der perfekte Arbeitsplatz eine Kombination aus einem Büro mit guter Infrastruktur und Kommunikationszonen sein sollte.

Neue Arbeitsmodelle zahlen sich aus
Die digitale Transformation am Arbeitsplatz schreitet voran. Sie verändert nicht nur Produktions- und Organisationsprozesse, herkömmliche Wertschöpfungs- und Geschäftsmodelle, sondern erfordert auch die Umsetzung neuer Arbeitsplatzkonzepte. Das geht aus der Studie „Digital Workplace Report: Transforming Your Business“ hervor. Der Bericht beschäftigt sich u. a. mit der Frage, wie sich Arbeitsplätze in Unternehmen von einer klassischen Büroumgebung hin zu digitalen Arbeitsplätzen entwickeln. Ein Ergebnis: Flexible Arbeitsplätze gewinnen nicht nur an Relevanz, die Implementierung von neuen Arbeitsweisen trägt auch spürbar zum Geschäftserfolg bei. So gaben 52 Prozent der Befragten an, dass sie dadurch die Zeit bis zur Marktreife von Produkten verkürzen konnten.

Die komplette Studie können Sie unter http://bit.ly/2vacVHO herunterladen