Generation Z: Kehrtwende in der Arbeitswelt?

Die Diskussionen um die Generation Y und die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Unternehmen sind noch nicht beendet, da erobert bereits die Generation Z die Bühne. Und diese Generation wird mit ihren Werten die Arbeitswelt erneut verändern. Vor allem will sie wieder eins, so Prof. Christian Scholz, Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaft an der Universität des Saarlandes: die klare Abgrenzung von Berufs- und Privatleben.

Stehen wir vor dem nächsten Paradigmenwechsel oder einer Rolle rückwärts in der Arbeitswelt, weil inzwischen die digital Natives ins Arbeitsleben drängt? Heute gilt, dass Arbeiten nicht mehr an Ort und Zeit gebunden sind. Vorboten einer Veränderung sind bereits seit einigen Jahren zu spüren, auch wenn noch die Generation Y die Debatten beherrscht.

Mitte vergangenen Jahres präsentierte die Unternehmensberatung EY eine Studie, der zufolge für 32 Prozent Vater Staat als Arbeitgeber besonders attraktiv ist – zwei Prozent mehr als 2014. Sicherheit sei für heutige Studenten besonders wichtig, kommentierte das Unternehmen die Entwicklung. Dabei war es für keine Generation so einfach und risikofrei, ein Startup zu gründen, wie für die Generation X. Eine gute Story, die Zusam­menarbeit mit einem Internet-Inkubator und potente Finanziers – und es braucht nicht einmal mehr eine Garage für eine Neugründung.

Besser 9-to-5 als Always-on
Die „fluide-flexible Arbeitswelt“ (Scholz) schmeckt inzwischen auch einigen Unter­nehmen nicht mehr, wie unlängst das Beispiel IBM zeigt. Das Unternehmen holt in Amerika hunderte Angestellte aus ihrem Home-Office zurück ins Büro. Mehr zu denken als diese beiden Beispiele geben aber die Ausführungen des Wissenschaftlers Christian Scholz, der 2014 das Buch „Generation Z. Wie sie tickt, was sie verändert und warum sie uns alle ansteckt“ verlegte. Seine zentralen Thesen, die er anlässlich eines Unternehmensforum in Berlin präsentierte, dürften an Relevanz nicht verloren haben. Strebte die leistungsorientierte Generation Y nach Karriere und ausgeglichener Work-Life-Balance, setzt die Generation Z auf Work-Life-Separation, klare Ansagen und einen 9-t-5-Job. Die Übernahme von Führung und Gimmicks in der Arbeitswelt sind ihnen eher suspekt. Sie sieht in der zunehmenden Flexibilität in der Arbeitswelt und der Schaffung von Wohlfühlat­mosphären eher ein Instrument mit eingebautem Mechanismus zur Selbstausbeutung als einen Beitrag zu mehr Freiheit.

Sicherheit und Klarheit
Gut ausgebildet und selbstbewusst, wohlbehütet, aber immer darauf bedacht, Entschei­dungen selbst zutreffen; aufgewachsen in Zeiten von Klima- und Wirtschaftskrisen so­wie Massenentlassungen ist die Generation Z realistischer als jede andere Generation zuvor, was ihre beruflichen Aussichten betrifft. Sie wünscht sich vor allen Sicherheit und klare Strukturen.. Auch wenn die Generation X anders tickt als Babyboomer oder die Generation Y, so völlig anders ist wiederum nicht. Das Smartphone ist für sie nur das, was für die Babyboomer der Fernseher war. Die analoge Welt hat für sie nichts an Reiz verloren. Christian Scholz plädiert für einen Dialog mit dieser Generation, weil nur er die Chance für Diversität, Innovation, Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit bietet.

Cyan:Magenta:Yellow:Black

Generation Z – Keine Lust auf Kampf.
In seinem lesenswerten, klugen und unterhaltsamen Debattenbuch „Generation Z“ setzt sich Christian Scholz kritisch und differenziert mit der Generation Z auseinander. Diese Generation schafft es mühelos, mit Widersprüchen zu leben: gegen den Einfluss global agierender Konzerne zu sein und gleichzeitig das neueste Smartphone in der Hand zu haben. Eine emotionale Bindung an Unternehmen und Verantwortung lehnt sie ab. Im Beruf sind sie zwar enga¬giert, aber Gemeinschaft und Privatleben prägen ihr Denken. Für die Generation Z ist Arbeit nur ein Mittel zum Zweck, die aber Spaß machen soll. Beruf und Privatleben sind strikt getrennt. Der Einfluss der X-ler auf die Generation Y darf allerdings nicht unterschätzt werden, so Christian Scholz, der zu den führenden Köpfen im Personalwesen zählt. Das Buch bietet neben Analysen auch Anregungen, wie Unternehmen der Lebenswelt der Generation X begegnen können.

Das Buch ist im Wiley-VCH Verlag erscheinen.
ISBN: 978-3-527-50807-5