Heißt der neue Boom „Wearables“?

Die Digitalisierung zieht in alle Bereiche ein. Bauteile einer Produktionsanlage kommunizieren miteinander und veranlassen bei Bedarf Reparaturen. Hausgeräte lassen sich von unterwegs steuern. Für das intelligente Energiemanagement der eigenen vier Wände sorgt eine App. Und jetzt wollen uns auch noch Computer am Handgelenk unseren Lebensstil verändern. Hat uns der Mega-Trend „Internet of Things“ bald völlig im Griff?

Die Arbeitswelt, schreibt das BMWI, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, wird sich durch die zunehmende Digitalisierung der Wirtschaft deutlich verändern, was Chancen für eine Neuorganisation der Arbeit böte, etwa für gesundheitsfreundlich gestaltete Arbeitsorte oder flexiblere und familienfreundliche Arbeitszeitregelungen. Gleichzeitig, zeigt sich das Fraunhofer IAO überzeugt, verlange die Digitalisierung der Arbeit auch zunehmende Flexibilität von Unternehmen und Führungskräften sowie die richtigen Kompetenzen von Mitarbeitern. Die vierte industrielle Revolution hinterlässt tiefgreifende Spuren, auch am Arbeitsmarkt. Laut der aktuellen World Economic Forum-Studie „The Future of Jobs“ von Mitte Januar 2016, kostet die Digitalisierung auch 7 Millionen Arbeitsplätze in den 15 größten Industriegesellschaften. Durch die „Industrie 4.0“ entstehen hingegen lediglich 2 Millionen neue Jobs, vor allem in den Bereichen Computer und Technik. Vom Arbeitsplatzabbau seien in erster Linie Stellen in Büros und Verwaltung betroffen, so die Studie. Als der PC in den 1980ern die Büros umgekrempelte, dürften ähnlich düstere Szenarien an die Wand gemalt worden sein. Tatsächlich hat die Erwerbstätigkeit in Deutschland einen neuen Höchststand erreicht.

Wearables prägen unseren Lebensstil
Mit der Einführung des iPhones vor neun Jahren läutete Apple das Jahrzehnt des Smartphones ein. Es wurde zum Universalgerät, bei dem man neben Telefonieren und Nachrichten verschicken ein breites Spektrum von Anwendungen nutzen kann – ob als Musik-Player oder Fotoapparat. Smartphones wurden zum Hoffnungsträger für die Consumer Electronics und sie gaben einen ersten Vorgeschmack auf die vernetzte Zukunft. Das Smartphone ist aber nur der Anfang der digitalen Transformation, denn die nächste Stufe in der technologischen Evolution hat mit den Wearables bereits begonnen. „Smartwatches werden als neue Interaktionsplattform unseren Lebensstil verändern“, glaubt etwa der Wissenschaftliche Direktor am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Kaiserslautern, Prof. Paul Lukowicz. Beim jährlich erscheinenden Trendreport des „American College of Sports Medicine“ (ACSM) landeten Wearables bereits auf Platz 1 im Ranking der Fitnesstrends.

Gigantischer Markt
Erst seit wenigen Jahren sind Wearables, die man direkt am Körper trägt, auf dem Markt. Ihre Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Ob am Handgelenk, in der Schuhsohle oder als Smart Glasses auf der Nase – Wearables wird ein großer Boom vorausgesagt. Und sie scheinen gerade zur rechten Zeit zu kommen, wächst doch der weltweite Markt für Smartphones langsamer. Besonders beliebt sind vernetzte Uhren und Armbänder für den Sporteinsatz, die mit Apps kommunizieren können. Im vergangenen Jahr wurden laut BITKOM allein in Deutschland mit Smartwatches 170 Millionen Euro umgesetzt – was einer Steigerung von 566 (!) Prozent entspricht. Das Marktforschungsunternehmen International Data Corporation (IDC) prognostiziert für 2019 einen Absatz von mehr als 150 Millionen Geräten.

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Besonders zukunftsträchtig sind Konzepte zur Vernetzung mit externen Sensoren. Einen ersten Eindruck geben Smartwatches, mit denen man die Autotür öffnen oder die Temperatur im Wohnzimmer einstellen kann. Die smarten Alleskönner sind aber nicht nur was für Energie- oder Fitnessbewusste, die ihren Workout digital kontrollieren wollen. Auch im Business halten sie Einzug. So zeigt sich der Softwarehersteller SAP überzeugt, dass die Wearables Technologie auch im betrieblichen Kontext immer stärker an Bedeutung gewinnen wird. In erster Linie stehen dabei funktionale Aspekte im Vordergrund, etwa Effizienz, Sicherheit und Compliance. Technologie-Experten wie Werner Ballhaus von PwC gehen noch einen Schritt weiter. „In Fabriken könnte man mit den Uhren die Arbeitsbelastung der Beschäftigten reduzieren“, glaubt Ballhaus, „und ihre Sicherheit optimieren. Krankenhäuser könnten sie für die Echtzeit-Kommunikation zwischen Ärzten und Krankenschwestern nutzen, Flughäfen oder Hotels für den Check-In. Diese Anwendungen stehen zwar noch am Anfang, aber in den nächsten Jahren werden wir eine rasche Ausweitung solcher Einsatzmöglichkeiten sehen.“ Vielleicht werden Wearables uns demnächst auch darauf hinweisen, wann es wieder Zeit ist, an unseren Steh-Sitz-Arbeitsplätzen aufzustehen.