Hotspot für neue Arbeitswelten!

„Creativity Works – Arbeit neu denken“ versprach die ORGATEC. Das Leitmotiv überzeugte. Mit mehr als 56.000 Besuchern mauserte sich die Kölner Messe zum angesagten internationalen Business-Termin. Im Fokus der fünftägigen Leistungsschau standen ganzheitliche Lösungen für die moderne Arbeitswelt. Die Antworten fielen in diesem Jahr besonders vielfältig und kreativ aus.

Weder die fortschreitende Digitalisierung, die offensichtlich wie eine Naturgewalt über uns hereinzubrechen scheint, noch das gesundheitliche Risiko, das mit langem Sitzen im Büro verbunden ist, schafften es bis dato, dem klassischen Büro den Garaus zu machen. Im Gegenteil. Jetzt erobert es die inneren Zirkel des Lebens. Noch nie ging es im Büro so wohnlich, komfortabel, lässig, tré chic und zugleich funktional und gesundheitsbewusst zu wie heute – sodass der 4.0-Worker eigentlich gar nicht mehr nach Hause möchte.

Vorsicht Büro denkt mit!
Ein Top-Thema war in diesem Jahr das Smart Office und das Internet der Dinge (IoT). So präsentierte das IAO u.a. den „Extended Workdesk“. Der Schreibtisch der Zukunft besteht aus einer digitalen Arbeitsfläche. Aber auch diverse Büromöbelproduzenten haben das Thema für sich entdeckt und rüsten ihre Produkte mit intelligenter, App gesteuerter Sensorik auf. So präsentierte K+N das modulare und intuitive Baukastensystem K+N SMART.OFFICE, mit dem Arbeitsplatz, Arbeitsumgebung und Facility Management vernetzt werden. So wird z.B. der Nutzer durch das K+N SMART.OFFICE sensibilisiert und zu ergonomischeren Arbeiten animiert. Voraussetzung dafür ist ein umfassendes Datenmanagement, bei dem alle Daten zentral zusammengeführt, analysiert und in Echtzeit zu Statistiken aufbereitet werden. Was nach George Orwell klingt, soll in der Praxis das Leben leichter machen. „Das Feedback unserer nationalen und internationalen Händler, Endkunden und Architekten auf unsere Neuheiten“, sagt Dr. Annette Seidenberg, Leiterin Marketing und Produktmanagement, „war sehr positiv. Auch das K+N SMART.OFFICE System wurde als interessanter Einstieg ins Smart Office gewertet.“

Die Konzeptstudie BALANCE OFFICE, die sich an dem Vorbild der Natur orientiert, setzt auf organische Formen. Der ganzheitliche Arbeitsplatz erlaubt kommunikatives wie konzentriertes Arbeiten an einem Platz. © Koelnmesse
Die Konzeptstudie BALANCE OFFICE, die sich an dem Vorbild der Natur orientiert, setzt auf organische Formen. Der ganzheitliche Arbeitsplatz erlaubt kommunikatives wie konzentriertes Arbeiten an einem Platz. © Koelnmesse

Mit den Studien BALANCE.OFFICE und dem Ergonomie-Arbeitsplatz, die „Arbeit neu denken“ interpretieren, präsentierte K+N zwei Studien, die zu kontroversen Diskussionen führen dürften. Hier ein organisches, geradezu verspieltes Design, das Anklänge an eine berühmte Biene bietet; dort ein streng funktionalistischer Nomadenarbeitsplatz. Laut K+N Chef-Designer Cornelius Müller-Schellhorn lieferte die Natur das Vorbild für das gesundheitsschonende Arbeitsplatzkonzept BALANCE.OFFICE, das zudem ein organisatorischer Tausendsassa ist. Mit dem dazugehörigen Stuhl ist dem Designer ein Husarenstück gelungen. Im Handumdrehen wird aus dem Drehstuhl eine Stehhilfe.

Rollbarer Klapptisch oder vollwertiger Arbeitsplatz? Spartanisch im Auftritt, mobil bei Bedarf, aber garantiert hochfunktional und ergonomisch – K+N greift auch bei dieser Studie das Motto Arbeit neu denken“ auf.
Rollbarer Klapptisch oder vollwertiger Arbeitsplatz? Spartanisch im Auftritt, mobil bei Bedarf, aber garantiert hochfunktional und ergonomisch – K+N greift auch bei dieser Studie das Motto Arbeit neu denken“ auf.

Ruhe lässt uns keine Ruhe
Nach dem Mauerfall in den Büros sowie dem Siegeszug der kreativkommunikativen Mittelzone wenden sich Designer und Hersteller verstärkt den Themen Akustik, Ruhe und visuelle Abschirmung im multioptionalen Büro zu. Je freier und offener es heute im Büro zugeht, umso dringlicher ist der Wunsch nach Strukturen und Orten der Ruhe. Für Ruhe im „Open Space Office“ sorgen vor allem Schallschutzelemente, die es in Hülle und Fülle sowie in allen erdenklichen Varianten, Formen und Materialien zu sehen gab. Das Spektrum reichte von freistehenden Paneelen über bienenwabenartige Modelle bis hin Eck- und Flyby-Paneelen wie dem LIFE.S von König + Neurath. Das neue modulare und flexible Arbeitsplatzprogramm der Karbener Wertefabrik überzeugte die Jury des AIT „Innovationspreises Architektur +Office“. Sie hob die „simple Umsetzung eines komplexen Tischsystems“ hervor, deren mobile Filzelemente überzeugend mehrere Funktionen kombiniere – u.a. die eines Akustikabsorbers. Noch mehr Ruhe im Raum garantiert die QUIET BOX, die an die gute alte Telefonkabine erinnert. Gespräche bleiben in der klimatisierten und beleuchteten Box absolut vertraulich. Mit der Phone-Box war König + Neurath nicht allein auf weiter Flur.

Am Plus der Zeit. Auch das neue Arbeitsplatzkonzept LIFE.S will eine Antwort auf die Frage geben, was heute einen Schreibtisch ausmacht. Gestalterisch wird das stylische Tisch-Programm durch sein aufgeräumtes, nordisch-klares Design geprägt. © K+N
Am Plus der Zeit. Auch das neue Arbeitsplatzkonzept LIFE.S will eine Antwort auf die Frage geben, was heute einen Schreibtisch ausmacht. Gestalterisch wird das stylische Tisch-Programm durch sein aufgeräumtes, nordisch-klares Design geprägt.
© K+N

Chic, flexibel und ergonomisch
Sessel und Sofas sind ein unentbehrlicher Teil in der Arbeitswelt von morgen. Davon konnte man sich in Köln mit seinem Angebot an Lounge- und Outdoor-Möbeln überzeugen. Das funktionale Arbeitssofa mit ergonomischen Sitzkomfort ist jedenfalls Realität geworden. Trotz der Nachfrage nach Möbeln für die Mittel- oder informelle Kommunikationszone und nonterritoriale Arbeitsplätze prägen nach wie vor die Leitfossile, Stuhl und Tisch, die ORGATEC. Omnipräsent waren Steh-Sitz-Lösungen als auch Steh-hilfen und Hocker. Mit dem AURAY aus der Feder von 2DO-DESIGN stellte König + Neurath eine Stuhlfamilie der S-Klasse vor, die dem Motto folgte: Gut Ding will Weile haben. Das hat sich ausgezahlt. AURAY lässt weder ästhetisch noch funktional Wünsche offen. Er setzt ein Ausrufezeichen und ist Signal zugleich, zukünftig eine wichtige Rolle im Premiummarkt spielen zu wollen.

ORGATEC im Aufwind

Mit mehr als 56.000 Besuchern aus 118 Ländern verzeichnete die internationale Leitmesse für moderne Arbeitswelten, die ORGATEC, ein deutliches Besucherplus. Vor allem die Internationalisierung der Messe gewinnt an Dynamik. Für ein Plus von fast 19 Prozent sorgten Besucher aus der EU. Auch Asien und der Nahe Osten legten kräftig zu. 50 Prozent der Besucher kommen inzwischen aus dem Ausland. 671 Unternehmen (2014: 627) aus 40 Ländern beteiligten sich diesmal an der
ORGATEC.