Mikrofeine Wachskugeln ersetzen Klimaanlage

Bürogebäude könnten in Zukunft auch ohne Klimaanlage ein immer angenehmes Klima bieten. Fraunhofer-Forscher haben mithilfe winziger Wachskügelchen einen Wandputz entwickelt, der eine enorm hohe Wärmekapazität hat. So nehmen selbst dünne Wände am Tag bei hohen Temperaturen viel Wärme auf und geben sie erst nachts wieder ab. Die Raumtemperatur bleibt – ähnlich wie in Kirchen oder anderen Gebäuden mit dicken Mauern – angenehm kühl.

Die Forscher um Peter Schossig vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg haben Paraffin in nur wenige Mikrometer große Plastikkügelchen eingeschlossen. Bei steigender Temperatur löst die Wärmeenergie Bindungen der Paraffinmoleküle: Es wird flüssig, und die Wärme wird auf diese Weise in den Kügelchen gespeichert. Sinken die Temperaturen wieder, erstarrt das Paraffin und gibt die zuvor gespeicherte Wärme wieder ab.

Die mikrokleinen Paraffin-Kunststoff-Kugeln lassen sich in Pulverform problemlos mit Baustoffen wie Putz oder Spachtelmasse verarbeiten. Mit einem solchen Spezialputz konnten die Forscher den temperaturausgleichenden Effekt dicker Wände auch in eine nur wenige Millimeter dünne Putzschicht integrieren. So nimmt eine nur sechs Millimeter dicke Schicht genauso viel Wärme auf wie eine zehn Zentimeter starke Ziegelwand.

Die temperaturausgleichenden Paraffinkügelchen eigenen sich besonders für Büroräume, da sie dort in der Nacht die tagsüber gespeicherte Wärme wieder abgeben können, ohne dass es jemandem zu warm wird. Sie können nicht nur im Neubau, sondern auch in bereits bestehenden Räumlichkeiten das Klima positiv beeinflussen. Sie werden zum Beispiel einfach mit einem neuen Wandputz aufgetragen.

Erste Produkte mit den raffinierten Latentwärmespeichern sind bereits auf dem Markt: Die Firma Maxit hat spezielle Putze und Gipsprodukte in ihrem Programm. Caparol arbeitet an der Entwicklung wärmespeichernder Spachtelmassen.