Mobile Arbeit – Lust oder Last?

Mit der Digitalisierung zeichnet sich ein fundamentaler Umbruch der Arbeitswelt ab. Be­reits 2016 ermöglichten lautet Statistischem Bundesamt 61 Prozent der Unternehmen in Deutschland mobiles Arbeiten. Jetzt legte das Fraunhofer IAO in Zusammenarbeit mit dem Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement IAT die Ergebnisse einer großangelegten Befragung zum Thema „Mobile Arbeit“ vor. 90 Prozent aller Befragten beurteilt mobiles Arbeiten grundsätzlich als positiv.

Die Erosion gesellschaftlicher Arbeit ist in vollem Gange. Arbeitsabläufe und Koopera­tionsformen verändern sich dabei grundlegend. Mit der Veränderung sind große Hoff­nungen, aber auch Sorgen verknüpft. Die Arbeit der Zukunft soll das Leben wie die Ar­beit selbst erleichtern und ein Mehr an Selbstbestimmung ermöglichen. Mit dem tech­nologischen Wandel sind allerdings auch Befürchtungen verbunden, dass es zu Ver­werfungen auf dem Arbeitsmarkt kommt. Laut einer eventure-Studie befürchtet hier­zulande jeder fünfte Konzern, dass im Zuge der Digitalisierung Arbeitsplätze abgebaut werden, während das in den USA nur vier Prozent der befragten Großunternehmen glauben. Doch wie sehen die Beschäftigten die Flexibilisierung von Arbeit?

Daumen zeigt nach oben
In Deutschland herrscht immer noch eine starke Anwesenheitskultur. Lediglich ein Drit­tel der Betriebe in Deutschland bietet Beschäftigten die Möglichkeit, von zu Hause zu ar­beiten, wie der Monitor „Mobiles und entgrenztes Arbeiten“ vor zwei Jahren schrieb. Das sehen die Autoren der IAO-Studie ähnlich, die vor allem die Präsenzkultur als entschei­dendes Hemmnis für mobiles Arbeiten ausgemacht haben. Dem gegenüber beurteilen laut IAO-Studie 90 Prozent der Befragten mobiles Arbeiten grundsätzlich als positiv. 86 Prozent der Teilnehmer, die mobil arbeiten können, sieht in dieser Form des Arbeitens eine Möglichkeit zur besseren Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben. Die Forscher werteten für ihre Studie die Meinungen von ca. 680 000 Beschäftigten des verarbeiten­den Gewerbes aus.

Die Hoffnungen und Erwartungen der Beschäftigten an mobiles Arbeiten sind also ins­gesamt sehr hoch, während die Entgrenzung von Arbeit nicht längst nicht in allen Unter­nehmen auf Gegenliebe stößt. Um mobiles Arbeiten erfolgreich zu implementieren, ist jedoch eine Kultur des Vertrauens notwendig. „Um selbstbestimmtes, örtlich flexibles Arbeiten jedoch wirklich erfolgreich umzusetzen, müssen die Stellschrauben in zahl­reichen Unternehmen noch nachjustiert werden“, fasst Christian Piele die Studienergeb­nisse zusammen.“ Womöglich spielt ein anderer Aspekt eine noch größere Rolle, warum die Einführung von mobiler Arbeit eher zögerlich passiert. Wenn es richtig ist, dass Ideen und Innovationen durch den Austausch von Erfahrungen und das Zusammenspiel von Kompetenzen entstehen, dürfte eine Face-to-Face-Kommunikation und die Kon­zeption moderner Arbeitswelten, die genau diesen Austausch fördern, zielführender sein als eine Philosophie des Anytime & Anywhere. Dass mobiles Arbeiten auch eine Kehrseite birgt, räumen die Befragten ein. Sie befürchten ausufernde Arbeitszeiten und eine Verschlechterung der Work-Life-Balance.

 



Arbeiten, bis der Arzt kommt.
Die Liste der Süchte ist lang: Alkohol, Drogen, Zigaret­ten, Glücksspiel, Schokolade oder Shopping, um nur einige zu nennen. Aber auch Arbeit kann abhängig machen. Das glaubt jedenfalls Dr. Ute Rademacher, Professorin an der International School of Management (ISM). Die Wirtschaftspsychologin legte jetzt mit „Arbeitssucht – Workaholismus erkennen und verhindern“ ein Buch über Arbeits­süchtige vor, für die Arbeit zum Selbstzweck und zur alleinigen Quelle von Selbstbestä­tigung und Sinnhaftigkeit wird. Hochengagierte und übermotivierte Mitarbeiter sind aus betriebswirtschaftlicher Sicht nicht nur ein Gewinn für Arbeitgeber, denn Herz-Kreis­lauf-Probleme und psychosomatische Krankheiten sind bei Arbeitssucht vorprogram­miert. Mittel- und langfristig führt Arbeitssucht auch zu Konflikten im Unternehmen, weil es Workoholics schwerfällt zu delegieren. Darunter leiden u.a. Teamarbeit und Kooperation. Gleichzeitig suchen Arbeitssüchtige oft auch Aufgaben außerhalb ihres Kompetenzbereiches. Das Buch bietet eine praxisnahe Orientierung für den Umgang mit Arbeitssucht. Das Buch „Arbeitssucht. Workaholismus erkennen und verhindern“ ist bei Springer Fachmedien erschienen.

ISBN: 978-3-658-18925-9