Neue Formate auf der ORGATEC

Unternehmenskultur und innovative Arbeitsplatzkonzepte rücken mehr denn je in den Fokus von Arbeitgebern, wenn es um die Gewinnung von hochqualifizierten Mitarbeitern geht. Davon zeigt sich die ORGATEC überzeugt. Mit einigen Neuerungen wartet die Leitmesse im Oktober dieses Jahres auf, damit Unternehmen die „existentiellen Herausforderungen“ meistern. Eine Kölner Antwort lautet: ganzheitliche Lösungen.

Die Arbeitswelt, heißt es aus Köln, stehe vor tiefgreifenden Veränderungen, weil „Flexibilisierung, Digitalisierung und demografischer Wandel“, so Katharina C. Hamma, Geschäftsführerin der Koelmesse GmbH, anlässlich der Fachpressekonferenz in London, die alte Arbeitswelt aus den Fugen geraten lässt. Die Belegschaften werden älter, das „human capital“ weniger, der Innovationsdruck stärker und als sei das alles noch nicht genug, wünscht sich die Y-Generation eine ausgeglichene Work-Life-Balance, um Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Der BSO weist im selben Atemzug darauf hin, dass sich Arbeitgeber angesichts des demografischen Wandels Gedanken über den negativen Einfluss von schlechtem Design auf das Wohlbefinden und die Produktivität machen sollten, weil nur 35 der Beschäftigten damit voll und ganz zufrieden sind. Für 62 Prozent aller Arbeitnehmer würde sogar die Attraktivität der Büroräume eine wichtige oder sehr wichtige Rolle bei einem Stellenwechsel spielen.

Neuer Marsch durch die Institutionen?
Wie sieht also die moderne Arbeitswelt von morgen aus, damit die Quadratur des Kreises aus unterschiedlichen Anforderungen und Erwartungen gelingt? Oder erleben wir gerade ein „intellektuelles Rollback“, weil es die gegenwärtige Studentengeneration eher zu Vater Staat zieht, der in den Augen heutiger Studenten wohl mehr Sicherheit bietet, wie eine, wenn auch nicht repräsentative Studie von Ernst & Young zeigt? Haben wir es gar mit einer Generation zu tun, der es zunehmend zu schaffen macht, wenn Freizeit und Arbeit verschwimmen? Die befürchtet, sich in endlosen Meetings den Rücken krumm zu sitzen oder wegzudösen statt an „Produkten“ zu arbeiten, wie es inzwischen nach Einführung der „Doppik“ selbst in den Haushalten der öffentlichen Hand heißt? Als besonders vielversprechende Branche für ihren späteren Berufsweg bezeichnen jedenfalls drei von zehn Studenten den öffentlichen Dienst, was durchaus als kleine Überraschung gewertet werden darf. Dort Chill-out-Zonen oder Designer-Sofas anzutreffen, dürfte so wahrscheinlich sein wie der Anblick eines Aston Martin in der Fußgängerzone. Besorgniserregender dürfte allerdings sein, dass knapp ein Drittel der Studenten (32 Prozent) die Privatwirtschaft für ihren späteren Berufsweg sogar als Ganzes ablehnt. Das kann nicht allein an fehlenden ganzheitlichen Arbeitswelten, schlechtem Design oder verlockenden Pensionen liegen, wenn für die „Digital Natives“, doch bis dato eher Freiheit und Selbstverantwortung als Weg zur Sonne galt. Offensichtlich scheinen immer mehr junge Menschen die Arbeit in Unternehmen als reine Plackerei zu empfinden, die auch nicht mit Kommunikation, flachen Hierarchien, Projektarbeit, Wohlfühloasen, Feel Good-Managern und Bespaßungsprogrammen erträglicher wird.

Das Büro als Gesamtinstallation
Gleichwohl, darauf weist die ORGATEC erneut hin, wird es das klassische Büro auch in Zukunft geben, das allerdings nicht nur mehr ein Ort der Wertschöpfung sein wird, sondern ein komplexes Gesamtkunstwerk aus Licht, Boden, Wand, Klima, Akustik und Mobiliar, damit der Geist inspiriert und die Gesundheit konserviert werden – so die Messe. Wie solche Inszenierungen aussehen können, zeigt das neue Format „ORGATEC Space“ in Halle 11.2 in einer Sonderschau, die die Kölner Innenarchitektin Sylvia Leydecker in Zusammenarbeit mit Dr. Christian Nocke vom Akustikbüro Oldenburg konzipiert. Die Sonderschau basiert auf sechs Boxen, die für unterschiedliche Anforderungen an das Büro von heute stehen, aber ein Ganzes bilden sollen. Das Spektrum der Module reicht von „Arktis“  über „Marktplatz“ und „Konzert“ bis hin zu „Exterior“. Die Inszenierung integriert zudem die Themenfelder Raumakustik und Lichtverhältnisse. „Im Büro“, betont Nocke, „können lediglich 30 bis 40 Prozent der Belästigungswirkungen von Lärm durch technisch-akustische Faktoren erklärt werden.“ Ebenfalls neu ist die Sonderschau „Innovation of Interior“ in Halle 8, die unter dem Titel „IOI – Smart Office Materials“ ein Anlaufpunkt für Architekten, Planer, Designer und Einrichter sein soll. Verantwortlich zeichnet Dr. Sascha Peters, Inhaber von Haute Innovation, der bereits die Ausstellung „Smart Sustainable Materials“ auf der letztjährigen Interzum betreute. Zu einem zentralen Anlaufpunkt soll auch das Format „ORGATEC Mobile“ werden, das Impulse und Antworten auf die Nachfrage nach flexiblen Arbeitsformen geben will. Im Mittelpunkt stehen Produkte und Konzepte. Schließlich diskutieren im Trendforum zahlreiche Experten über aktuelle Trends und präsentieren Best-Practice-Beispiele zu Fragen des demografischen Wandels im Büro, Change Managements, branchenübergreifenden Denkens und Handelns sowie die Bedeutung von Gamification als Elemente der Mitarbeiterförderung.

Arbeitswelt muss mehr bieten
Dass die Hardware, auch wenn sie in ein ganzheitliches Raumkonzept integriert wird, nur ein Baustein sein kann, um gut ausgebildete und engagierte Mitarbeiter zu gewinnen beziehungsweise bei der Stange zu halten, verkennt auch die ORGATEC nicht. Die Branche, heißt es dazu aus Köln, stehe vor großen Herausforderungen: „Flexible Arbeitszeiten, ‚open space’ oder ‚open office’-Lösungen reichen nicht mehr aus.“ Womöglich doch eher die Unternehmenskultur, von der Katharina C. Hamma in London sprach? Aber Kultur ist ein weites Feld und mit der Unternehmenskultur im Besonderen verhält sich in der Regel wie mit der Kultur im Allgemeinen. Es ist schön, Kultur zu haben, aber oft kommt man weiter ohne sie, wenn gespart werden muss.

Related Links