New Work lässt noch auf sich warten

Die Arbeitsbedingungen werden in Deutschland immer besser – so das Institut der deutschen Wirtschaft. Der „Kompass Neue Arbeitswelt“ hält dagegen. Ein prima Betriebsklima sei längst noch nicht in allen Unternehmen zu finden. Selbstbestimmung am Arbeitsplatz, demokratischere Strukturen, mehr Teamwork und ein besseres Verständnis für Familien lassen noch zu wünschen übrig. Neue Nahrung erhält die Kritik von der Studie „Recruiting Trends 2015“. Vor allem mittelständische Unternehmen hinken den Wünschen nach Home-Office-Lösungen hinterher.

Noch nie ging es deutschen Arbeitnehmern so gut wie heute. Die Kaufkraft der Arbeitnehmerstunde hat sich seit den 1950er Jahren nahezu versechsfacht. Der jährliche Urlaubsanspruch ist mit durchschnittlich über 31 Tagen auf Rekordhöhe, während die tarifliche Wochenarbeitszeit mit 38 Stunden auf einem Tiefstand ist. Und trotz höherer Arbeitsintensität haben Gesundheitsbelastung und Überforderung auch in den letzten Jahren nicht zugenommen. „Die Gesundheitsbelastung durch Arbeit“, meint denn auch Studienautor Christoph Schröder, „ist in Deutschland nur selten ein Problem.“ Insgesamt zeigt sich in Deutschland ein positiver Dreiklang aus hoher Zufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen, dem Gefühl, selbst gut im Job zu sein und dem Glauben, etwas Sinnvolles zu tun. Das sind die zentralen Ergebnisse der Studie „Arbeitswelt Deutschland“ des Institutes der deutschen Wirtschaft, Köln.

Gute Arbeit kann besser werden
Die Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) teilt diese Auffassung wohl nicht uneingeschränkt. In ihrem neuen Report „Führungskräfte sensibilisieren und Gesundheit fördern“ kommen die Autoren zu dem Schluss, dass die Arbeitsunfähigkeitstage in Deutschland fast kontinuierlich steigen und eine betriebliche Gesundheitsförderung die krankheitsbedingten Fehlzeiten um ein Viertel senken könnte. Auch der gerade erschienene BKK Gesundheitsatlas, der die „Psyche“ in den Blick nimmt, stellt die Frage: „Wird Deutschland seelisch immer kränker?“ Unabhängig von der Frage, ob etwa das Burn-out-Syndrom jene ökonomische und gesellschaftspolitische Relevanz aufweist, die Medien ihm in den letzten Jahren zuschrieb, oder es sich bei psychischen Erkrankungen nur eine Diagnoseinflation handelt, so perfekt und wunschlos glücklich zeigt sich die deutsche Arbeitswelt keinesfalls. Das belegen auch die Studien „Kompass neue Arbeitswelt“,  und die „Recruiting Trends 2015“.

Klassische Anreizsysteme verlieren
Gute Arbeitsbedingungen steigern die Attraktivität des Arbeitgebers; sie tragen dazu bei, die Probleme bei Stellenbesetzungen zu minimieren. Vor allem kleine und mittlere Betriebe haben größere Schwierigkeiten bei der Rekrutierung als große Betriebe. Unter den Handlungsoptionen, die das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung den Unternehmen empfiehlt, zählt u.a. auch „eine Verbesserung der Vereinbarkeit von  Beruf und Familie und der Ausbau der Infrastruktur zur Kinderbetreuung zur Ausweitung der Erwerbsbeteiligung und der Arbeitszeiten, insbesondere von Frauen.“ Damit scheint es noch zu hapern. So laufen zwar inzwischen weiche Faktoren den klassischen Anreizsystemen den Rang ab, wie die XING-Arbeitnehmerstudie aufzeigt. Die Bereitschaft der Wissensarbeiter, für ein höheres Gehalt Abstriche bei der Flexibilität der Arbeitsgestaltung zu machen, sei gering ausgeprägt, heißt es. Aber Wunsch und Wirklichkeit klaffen auseinander. Derzeit bieten laut der „Recruiting Trends 2015“ lediglich 18,8 Prozent der Unternehmen aus Deutschland ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, Arbeit von zu Hause aus zu erledigen. Allerdings wollen 21,9 Prozent ihr Home-Office-Angebot künftig ausweiten. Mehr als sechs von zehn Teilnehmern gaben an, Arbeiten von zu Hause aus erzeuge eine Herausforderungen für die Zusammenarbeit im Unternehmen. Ein Grund dürfte sein, dass sich in 16,1 Prozent der Unternehmen häufig Mitarbeiter, die nicht von zu Hause aus arbeiten, beschweren, weil sie das Gefühl haben, mehr arbeiten zu müssen als ihre Kollegen im Home-Office.

Mittelstand bei Home-Office im Hintertreffen
Einen leichteren Stand besitzt das Home-Office in großen Unternehmen. Die Möglichkeit, im Home-Office zu arbeiten, bieten derzeit 47,0 Prozent der Top-1.000-Unternehmen aus Deutschland ihren Mitarbeitern. 54,5 Prozent wollen ihre Angebote ausweiten. 85,9 Prozent der befragten Stellensuchenden und Karriereinteressierten würden am liebsten bei einem Unternehmen arbeiten, das flexible Arbeitszeitmodelle anbietet. Nur etwa jeder zweite Teilnehmer an der „Bewerbungspraxis 2015“ war allerdings der Ansicht, ausreichend viele Möglichkeiten zur flexiblen Gestaltung seiner Arbeitszeit zu haben, und lediglich 43,4 Prozent können nach eigenen Angaben Arbeit aus dem Home-Office erledigen. Über zwei Drittel sagten, dass sie ein Jobangebot nur dann annehmen würden, wenn der Arbeitgeber flexible Arbeitszeiten ermöglicht. Etwa jeder zweite Befragte lehnt ein Jobangebot ab, wenn es in diesem Unternehmen die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, nicht gibt.

Wandel auch an der Spitze
Die Ergebnisse zeigen, dass sich Unternehmen durchaus auf den Weg gemacht haben, um den Ansprüchen einer jungen Generation entgegenzukommen. Die Realisierung ist allerdings in vielen Fällen nach wie vor Zukunftsmusik. Vor allem der Mittelstand tut sich schwer beim Thema Home-Office, was ihn weiter ins Hintertreffen als attraktiver Arbeitgeber bringen dürfte. Auch bei den Top-Unternehmen besteht Handlungsbedarf, den kulturellen Wandel voranzutreiben und flexible Arbeitszeitmodelle sowie Home-Office-Modelle anzubieten. Aber Veränderungen müssen nicht nur von der Unternehmensspitze initiiert werden. Wenn sie gelingen sollen, müssen sie auch dort beginnen.

 

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Dass die Büroeinrichtung immer wohnlicher und schicker werden muss, um auch mit diesem Aspekt beim Nachwuchs als Arbeitgeber zu punkten, hat sich in der Wirtschaft auf breiter Front herumgesprochen. Selbst „Big Player“ wie die Deutsche Telekom setzen mittlerweile auf „New Work“, Lounge-Atmosphäre und Orte zum „Chilaxen“ (City News wird berichten). Es überrascht also nicht, dass Büromöbelhersteller mit differenzierten Angeboten, welche die veränderten Anforderungen an Tätigkeiten und die Bedürfnisse der Mitarbeiter widerspiegeln, für einen Beitrag zum stimulierenden Büro leisten wollen. Das Spektrum reicht von wohnlichen Sitzmöbeln, Sofas mit Relaxfunktionen über modulare Loungesysteme und Mittelraumkonzepte bis hin zu hochwertigen Arbeitsplatzprogrammen wie dem Tischprogramm TABLE.H. Das Programm wurde im Januar mit dem imm Interior Innovation Award 2015 ausgezeichnet. TABLE.H mutet wie die zeitgemäße Interpretation eines Sekretärs an, der hohen Designanspruch mit perfekter Funktionalität zu einem eleganten Arbeitsplatz verbindet. Obwohl für die moderne Bürowelt konzipiert, dürfte TABLE.H auch im Privaten eine gute Figur abgeben.