New Work – zwischen Tradition und Innovation

Die digitale Transformation, virtuelle Modelle der Zusammenarbeit und die Automatisier­ung von Prozessen verlangen eine Umgestaltung von Geschäftsmodellen und Organisa­tionsstrukturen in Unternehmen. Anpassungsgeschwindigkeit und -flexibilität werden da­bei zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren für den wirtschaftlichen Erfolg. Darüber herrscht allenthalben Konsens. Was heißt das aber für das Büro der Zukunft?

Das Neue kann nur gemacht werden, glaubt der Professor für Praktische Philosophie an der Goethe-Universität, Christoph Menke. Schenkt man Menke glauben, dass allein die Tat entscheidet, dann dürfte sich deutsche Wirtschaft bereits auf den Weg zu New Work gemacht haben, die als Treiber für Innovationen gilt. Nicht verändert hat sich allerdings die Tatsache, dass der Mensch auch unter neuen Vorzeichen die Schlüsselressource bleibt. In veränderten Organisationsstrukturen braucht es Menschen, die mit Mut, Kreativität, Offenheit und Verantwortungsbewusstsein die Entwicklung neuer Ideen vorantreiben. Haben wir diese Kultur?

New Work erfasst konservative Branchen
Nach wie vor sind Unternehmen in Deutschland mehrheitlich traditionell organisiert. Die veröffentlichten Indikatoren signalisieren aber: Wir haben verstanden! Kaum noch ein Tag vergeht, an dem nicht ein Unternehmen das Potenzial offener Räume, individu­eller Arbeitszonen und non-territorialer Arbeitsplätze entdeckt. So startet Mitte des Jahres eine der größten Versicherungen des Landes das Pilotprojekt Arbeitsplatz der Zukunft, um neuen Denken im Konzern Raum zu geben.

Das Konzept „New Way of Working“ soll als „Beschleuniger“ des angestrebten Kultur­wandels dienen und in den nächsten Jahren auf alle Standorte übertragen werden. Zum Konzept zählt auch, dass jeder Mitarbeiter bis zu zwei Tage pro Woche außerhalb seines Büroarbeitsplatzes arbeiten kann. Das Büro als „modernes Vereinsheim“ und emotio­nales Bindemittel? „Früher“, sagt Sven Bietau, Geschäftsführer des Dienstleisters conceptsued, „gab es Arbeitsplätze, die mit Menschen gefüllt wurden. Heute dreht sich das Büro um den Menschen und neue Arten zu arbeiten.“ Wozu er u.a. auch agiles Ar­beiten zählt. Aber ist die Transformation von rauchenden Schloten zu brütenden Wis­sensarbeitern reibungslos geglückt?

Agile Methoden oft noch Wunschdenken
Eine aktuelle Studie des HWWA betont in der Studie „Humanressourcen als Schlüsselfaktor für mehr Wachstum, Innovation und Beschäftigung“, dass „flexibleres und mobiles Arbeiten und Lernen Produktivität und Zufriedenheit erhöhen (kann).“ Vorausgesetzt, die Interessen der Beteiligten werden klug austariert. Aber mit der Herrlichkeit scheint es offensichtlich nicht allzu weit her zu sein. Die Arbeitswelt der Zukunft bedeutet eben mehr als technische oder organisatorische Veränderungen.

Agile Methoden, die gerade bei kollaborativer- oder Projektarbeit für mehr Effizienz und kürze Entwicklungszeiten sorgen, scheinen jedenfalls in vielen Unternehmen noch nicht angekommen zu sein. Die Studie „Change Engine, while you are flying“ zeigt, dass die Entwicklung von Agilität in Deutschland nach wie vor erst am Anfang steht. Nur 43 Prozent sind überzeugt, dass ihr Arbeitgeber die digitale Transformation erfolgreich bewältigen wird. Weniger als 10 Prozent der Befragten glauben, dass ihr Unternehmen die Herausforderungen der digitalen Transformation annimmt und sie agil gestaltet, während 13 Prozent nicht einmal der Aussage zustimmen, dass sich ihr Geschäft und ihre Organisation grundlegend ändern werden. Die Studie bestätigt, was die Europe Business School Berlin bereits 2016 skizierte. Agile Arbeitswelt sind mehr Wunsch­denken als Wirklichkeit.
 
Die komplette Studie finden Sie unter:

www.greatplacetowork.de/storage/documents/studie_kulturwandel_in_der_digitalen_transformation_messen_und_gestalten.pdf

Innovative Lösungsansätze für Arbeit 4.0.

Das 3. Arbeitgeberforum zur Zukunft der Arbeit am 9. November 2017 im Berliner FORUM Factory steht im Zeichen innovativer und intelligenter Arbeitszeitsysteme. Zentrale Fragen sind: Wie lässt sich Arbeit 4.0 flexibel gestalten? Welche rechtlichen Rahmen sind zu beachten und wie sind die bisherigen Erfahrungen? Das Spektrum der Vorträge reicht von „Arbeitszeitmodelle der Zukunft“ über „working@home“ bis zu „Flexible Arbeitszeitsystem vs. Präsentismus“.

Weitere Informationen unter:
www.arbeitgeberforum-zukunft.de