Recht auf Homeoffice

Die Niederlande gelten als liberales, weltoffenes und fortschrittliches Land. Dieses Bild bekam zwar in jüngerer Zeit ein paar Image-Kratzer ab, die Neigung, pragmatische und auf Ausgleich zielende Lösungen zu finden, ist aber nach wie vor ungebrochen. Jetzt macht das Land erneut von sich reden. Ab Mitte des Jahres haben Arbeitnehmer einen Anspruch darauf, dass der Arbeitgeber sie zuhause arbeiten lässt.

Welches Land außer Holland wäre in Europa wohl imstande, einen E-Joint in diversen Geschmacksrichtungen zu erfinden? Nicht einmal die als besonders liberal geltenden Schweden kämen auf eine solche Idee! Und welche andere Stadt leistet sich einen Nachtbürgermeister, dessen Motto lautet: „Work hard, party hard“, weil die Menschen nach einem harten Arbeitsalltag offensichtlich Spaß haben wollen und das Nachtleben natürlich auch ein Standortfaktor ist? Keine, außer Amsterdam, die wohl kleinste und schnuckeligste Weltstadt, die sich denken lässt und die zwischen Tradition und Aufgeschlossenheit, Betriebsamkeit und dörflicher Idylle, Kommerz und Kunstsinnigkeit changiert. „Heute Nacht, Amsterdam, wird ein Traum angespült und der glaubt, er erfüllt sich bei dir, Amsterdam“, sang schon Hildegard Knef.

Neue Kultur im Visier
Weltweit einmalig dürfte auch der jetzt von der Ersten Kammer des holländischen Parlaments verabschiedete Gesetzesentwurf sein, der den Arbeitnehmern einen Rechtsanspruch auf ein Homeoffice garantiert. Nur in begründeten und zwingenden Fällen können Arbeitgeber diesen Wunsch ablehnen. Die Beweislast wird damit umgekehrt, während in Deutschland ein kategorisches Nein des Arbeitgebers reicht, um den Traum vom Homeoffice platzen zu lassen. „Dieses Gesetz soll zu einer Kulturveränderung beitragen“, sagt denn auch Linda Voortman von den Grünen, die mit ihrem Kollegen Pieter Heerma von den Christdemokraten den Gesetzesentwurf eingebracht hat, der breite Zustimmung erhielt.

Deutscher Sonderweg?
Davon scheint Deutschland noch ein gutes Stück entfernt zu sein. Zwar glaubt BITKOM (Bundesverband Informationswirtschaft,Telekommunikation und neue Medien), Sprachrohr der IT-Industrie, dass der klassische Büroarbeitsplatz mit Anwesenheitspflicht an Bedeutung verliert, während das Homeoffice wichtiger wird, weil gut ausgebildete Hochschulabsolventen sich Arbeitgeber aussuchen, die flexibles Arbeiten und eine bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Familie bieten. So das Ergebnis einer Umfrage bei mehr als 1.500 Unternehmen in Deutschland aus allen Branchen, die kurz vor der CeBIT veröffentlicht wurde. Der Tenor der BITKOM-Studie widerspricht allerdings den Daten, die das DIW 2014 vorlegte. Die Berliner Wirtschaftsforscher sehen die Heimarbeit in Deutschland auf dem Rückzug. Im Rest Europas zeichnet sich dagegen eine gegenläufige Entwicklung ab. So erreichte 2014 die Zahl der Homeworker in England mit rund 14 Prozent einen Rekordwert. Und das tolerante Holland kommt laut „Kennisinstituut voor Mobiliteit” auf einen Anteil von 32 Prozent.

Herausforderung für Unternehmen
Flexible Arbeitszeitregelungen sind auch für das Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) der Universitäten Bamberg und Frankfurt ein relevantes Thema. Das CHRIS veröffentlicht jährlich in Zusammenarbeit mit dem Karriereportal „Monster“ die „Recruiting Trends“  und „Bewerbungspraxis“. Die aktuellen Ergebnisse: Home-Office ist zwar beliebt, macht den Arbeitgebern aber Arbeit. „Unternehmen müssen heute neue Impulse geben, um Arbeitszeiten und -umfelder attraktiver zu machen“, sagt Prof. Dr. Tim Weitzel vom Lehrstuhl für Informationssysteme in Dienstleistungsbereichen der Universität Bamberg. „Flexible Arbeitszeitgestaltung wird von den befragen Unternehmen als eine der Schlüsselherausforderungen in nächster Zeit eingestuft. Die überwiegende Mehrheit der Teilnehmer der Bewerbungspraxis findet es gut, wenn Unternehmen die Möglichkeit bieten, Arbeit teilweise von zu Hause aus zu erledigen.“ Etwas gut zu finden und die Möglichkeit, das Gute auch in Anspruch zu nehmen, sind jedoch unterschiedliche Dinge. Weniger als die Hälfte nutzt das Angebot (44,1 Prozent), weil sie Vorbehalte hegt. So glauben 24,9 Prozent, dass sie in den eigenen vier Wänden mehr arbeiten würden; 55,6 Prozent zeigen sich überzeugt, dass der Informationsaustausch darunter leidet, die Produktivität des Teams (22,6 Prozent) sowie die Zufriedenheit sinken würden (24,2 Prozent). Dennoch registrieren die Forscher einen gravierenden Wertewandel bei Stellensuchenden. Standen 2004 noch Inhalt der Tätigkeit, Gehalt und Sicherheit ganz oben auf der Wunschliste, sind es heute Aufstiegschancen, Weiterbildungsmaßnahmen, flexible Arbeitszeiten und die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf. Das fordert Unternehmen heraus, attraktive Arbeitsplätze zu schaffen und dem Bedürfnis nach mehr freier Zeiteinteilung Rechnung zu tragen, um im selben Atemzug die Angst vor Arbeitsintensivierung zu nehmen. In Holland sehen das die Arbeitnehmer anscheinend lockerer – auch wenn es dafür jetzt ein Gesetz braucht.

 

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