Revolution: Drucken ohne Tinte

Druckertinte zählt zu den teuersten Flüssigkeiten der Welt. Jetzt könnte ein neues Verfahren den Herstellern von Druckerpatronen Konkurrenz machen. Dänische Forscher haben einen Farblaser-Drucker entwickelt, der pigmentfreie Strukturfarben drucken kann. Der Haken: Das Spezialpapier, das man dafür braucht, ist noch extrem teuer.

Das papierlose Büro, seit bald drei Jahrzehnten die große Hoffnung aller Experten, um schlummernde Produktivitätspotenzial zu heben, scheint nach wie vor in weite Ferne gerückt. Deutschland ist jedenfalls Spitzenreiter beim Papierbrauch, so das Bundesumweltamt. Mit fast 250 Kilogramm pro Jahr und Kopf verbrauchen die Bundesbürger so viel Papier wie die Kontinente Afrika und Südamerika zusammen – trotz voranschreitender Digitalisierung.

Am Papierhunger hat sich seit 2015 wenig getan – im Gegenteil. Den deutschen Papierherstellern geht es gut. 2016 produzierten sie 11,4 Mio. Tonnen Papier, Karton und Pappe für Verpackungszwecke, was ein Plus von 1,7 Prozent entspricht. Selbst zahlreiche große Zeitungsverlage, seit Jahren von der Digitalisierung gebeutelt, rüsten auf und gehen in die Printoffensive. Ein Beispiel für die Vielfalt jährlich neuer publizistischer Angebote liefert die „Frankfurter Allgemeine Woche“, die seit 2016 als E-Paper, aber auch am Kiosk zu haben ist. Männern bietet „Wolf“ seit Ende letzten Jahres „Entschleunigung, Achtsamkeit und Inspiration“. Das Magazin will nichts Geringeres sein als „haptisches und visuelles Erlebnis“. Es scheint, als kämen uns die besten Ideen nach wie vor auf Papier.

Der Natur abgeschaut
Dabei stehen die Zeichen auf Wandel. Laut einer Studie von TNS Emnid im Auftrag von Sage, einem Anbieter von betriebswirtschaftlicher Software für mittelständische Unternehmen, halten 71 Prozent der über 800 befragten Büroangestellten „die Vision vom nahezu papierlosen Büro in zehn Jahren“ für sinnvoll. Ist ein nahezu papierloses Büro aber überhaupt realisierbar? 67 Prozent der Befragten glauben das. Als Hauptargument geben 34 Prozent der Befürworter in Deutschland Zeitersparnis im Arbeitsalltag an, 32 Prozent nennen den Umweltschutz als wichtigen Treiber für ein papierloses Büro.

Sie haben gute Argumente auf ihrer Seite, nicht nur die Zeitersparnis. Jeder zweite industriell gefertigte Baum wird zu Papier verarbeitet; zudem fallen jährlich Unmengen Tonnen kaputter Drucker sowie leere Patronen und Kartuschen an. Einen Ausweg verspricht jetzt der vom dänischen Physiker Anders Kristensen entwickelte Strukturfarbendruck, der ohne Tonerkartuschen oder Tintenpatronen auskommt. Bei herkömmlichen Farben bestimmen Pigmente den Farbton. Strukturfarben werden hingegen durch Nanostrukturen erzeugt. Als Vorbild dienten Anders Kristensen und seinen Kollegen die Natur. Die Forscher entwickelten eine noppenartige Beschichtung aus Polymeren mit einem dünnen Film aus Germanium. Die Noppen bestimmen die Strukturfarbe. Um die Farben zu verändern, müssen sie lediglich kurz lokal mit einem Laser erhitzt werden. Die Druckauflösung dieses Verfahrens stellt mit 120.000 Punkten pro Zoll herkömmliche Bürolaserdrucker in den Schatten. Nur einen Haken besitzt das Verfahren, um den heutigen Laserdruck zu ersetzen. Das Spezialpapier ist extrem teuer, aber die dänischen Forscher arbeiten einer Lösung, um es zum Massenprodukt zu führen.

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