4. DKV Report: „Schreibtischtäter“ wollen weniger sitzen

Die Deutsche Krankenversicherung (DKV) und das Zentrum für Gesundheit durch Bewe­gung und Sport der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) legten Anfang August den 4. DKV Report vor, der Einblicke in das Gesundheitsverhalten der Deutschen gibt. Schwer­punkt der Untersuchung waren in diesem Jahr Büroarbeitsplätze. Ein Ergebnis der Studie: Schreibtischarbeiter wollen weniger „rumsitzen“.

Vielleicht sollte der Mensch noch mehr auf den Hund kommen, damit es ihm besser geht. Menschen mit Hund leben jedenfalls gesünder und können mit Stress tendenziell besser umgehen als Menschen ohne Hund – so die DKV-Studie. Vermutlich leiden sie auch weniger unter Rückenproblemen, was aber Spekulation bleiben muss. Überdies gelten Hundehalter auch als besonders kommunikativ, weil sie immer ein Thema haben, über das sie fabulieren können. Überraschen kann die Erkenntnis, dass Hunde die psycho­physischen Gesundheitsrisiken minimieren, nicht. Hundebesitzer sind qua Eigentum zur körperlichen Aktivität verdammt. Laut der Aktivitätsempfehlungen der Weltgesund­heitsorganisation (WHO) sollen Erwachsene mindestens 150 Minuten moderater oder 75 Minuten intensiver körperlicher Aktivität pro Woche oder einer Kombination beider Formen nachgehen. Mit einem aktiven Labrador steckt man Ottonormalverbraucher also locker in die Tasche.

Deutschland bleibt sitzen
Und mehr Labradore oder Golden Retriever könnten die Deutschen durchaus gebrau­chen, um ihren beruflich bedingten Bewegungsmangel zu kompensieren. Zwar schätzen zwei Drittel aller befragten Bundesbürger ihren eigenen Gesundheitszustand als gut oder sehr gut ein, aber rundum gesund leben nur die wenigsten, wenn man sie fragt, was sie selbst dafür tun. Defizite treten vor allem im Bereich körperlicher Aktivitäten auf. Im Vergleich zu den vergangenen drei DKV Reporten von 2010, 2012 und 2014 bewegen sich die Menschen jedenfalls deutlich weniger. 2016 erreichen nur 45 Prozent der Befragten die Mindestaktivitätsempfehlung der WHO. 2014 waren es noch 54 Prozent. Dabei sinkt vor allem die Aktivität während der Arbeit – Grund genug für den wissen­schaftlichen Leiter des Reports und Hochschullehrer an der Deutschen Sporthochschule, Ingo Froböse, in diesem Jahr den Fokus auf Büroarbeitsplätze zu legen.

Risiko für die Gesundheit
Der PC bestimmt den Arbeitsalltag vieler Menschen. 46 Prozent der Berufstätigen ar­beiten vorwiegend im Sitzen, Auszubildende und Studenten sitzen zwei Drittel ihrer Arbeitszeit. Über den ganzen Tag betrachtet, sitzt der typische Schreibtischarbeiter in­klusive Freizeit etwa elf Stunden lang. Nur 43 Prozent der Personen, die überwiegend am Schreibtisch arbeiten, erreichen den Benchmark zum bewegten Büroarbeitstag. Und ein ausgewogenes Arbeitsverhalten wird dann erreicht, wenn mindestens 25 Prozent der Arbeitszeit im Stehen und/oder Gehen und/oder bei körperlicher Aktivität ver­bracht werden. Die Studie spricht sogar von einer moderaten Benchmark – es dürfte also durch noch mehr Aktivität im Büro sein. Die Befragten scheinen sich durchaus be­wusst darüber zu sein, dass langes Sitzen mit Risiken verbunden ist. Die Schreibtisch­arbeiter wünschen sich nämlich, bei der Arbeit nur noch insgesamt 53 Prozent ihrer Zeit abzusitzen, während der Wert aktuell bei 73 Prozent liegt. Damit würden sie auch den wissenschaftlichen Empfehlungen folgen. Gleichzeitig besteht der Wunsch, auch häufiger zu gehen (Ist-Wert: 13 Prozent, Wunschwert: 23 Prozent).

Sitzen ohne nachzudenken
Dass die Schreibtischarbeiter allerdings für ihr Verhalten eine gehörige Portion Mitver­antwortung tragen, darauf weist der Report auch hin. 73 Prozent geben an, sich auto­matisch an den Schreibtisch zu setzen, ohne weiter groß darüber nachzudenken. Dieser Automatismus ist bei Personen mit elektrisch höhenverstellbaren Schreibtischen weniger stark ausgeprägt. Hier nehmen nur 64,3 Prozent automatisch Platz. Die Studie gibt allerdings zu bedenken, dass langes, unbewegtes Stehen auch keine Lösung für den Bewegungsmangel ist. Froböses Vorschlag lautet deshalb: „Meetings von kleineren Arbeitsgruppen können gut im Gehen stattfinden. Ob man das dann Walk and Talk Meeting oder Spaziergang nennt, ist Sache der Unternehmenskultur. Zudem kann auch eine neue Büroorganisation behilflich sein sich mehr zu bewegen und häufiger aufzustehen.“ Aber wie sieht heute eine solche Struktur aus, die wie Froböse verlangt, eintöniges Sitzen reduziert und regenerative Prozesse unterstützt?

2. KW37Aufstehen fängt im Kopf an. Das glaubt Ingo Froböse. Wie schwer es oft ist, einem Gedanken auch eine Tat folgen zu lassen, wusste schon Karl Kraus. Einen Motivations­schub können allerdings Steh-Sitz-Schreibtische liefern. Sie sind aber nur ein erster Anfang, neigt doch der homo sedens dazu, sich automatisch zu setzen, obwohl er auch genauso gut stehen könnte. Die Studie macht deutlich, das Sitzen nicht allein durch Stehen ersetzt werden kann. Vielmehr braucht es intelligente Gesamtlösungen für die Büroorganisation, die einen permanenten Wechsel von Sitzen, Stehen und Bewegen zulassen. Dazu zählen etwa ein zentraler Druckerraum, Besprechungsstehtische und die Reduzierung interner E-Mails – wie insgesamt eine gesundheitsförderliche Arbeitsge­staltung. Eine komplexe Antwort liefert das K+N City Konzept, das auf dem Modell der europäischen Stadt basiert. Die Stadt steht für ein Mit- und Nebeneinander, für Arbeiten und Leben, Bewegen und Verweilen, kurz für die Balance unterschiedlicher Interessen, Anforderungen und Bedürfnissen. Und genau das muss heute ein modernes Büro leisten: Vielfalt.