Zukunftsweisendes Projekt

Der Kulturwandel macht auch vor Banken nicht Halt. Das überrascht nicht, denn erfolgreiche Unternehmen setzen auf selbstbestimmtes Arbeiten, mehr Teamwork, eine offene Dialogkultur und Transparenz. Jetzt hat sich die Landesbank Hessen-Thüringen mit einem Pilotprojekt am Standort Offenbach auf den Weg gemacht. Eine wichtige Rolle spielt dabei der „weiche Faktor“ Arbeitsumgebung.

Unternehmen müssen sich wandeln, um für Mitarbeiter attraktiv zu bleiben. Das gilt umso mehr, als die Digitalisierung und der demografische Wandel etablierte Unternehmen mit sicher geglaubten Alleinstellungsmerkmalen herausfordert. Beide Aspekte haben unmittelbaren Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit. Unternehmen mit einem höheren digitalen Reifegrad, unterstreicht die im Juli publizierte Studie „Benchmarking HR Digital Transformation“, würden eine höhere Mitarbeiterzufriedenheit und Arbeitgeberattraktivität zugeschrieben. Sie werden als innovativer und agiler empfunden sowie als profitabler und wachstumsstärker wahrgenommen

Die Veränderungen betreffen nicht nur das Führungsverhalten oder das Personal Recruiting, sondern vielfach das Geschäftsmodell selbst. So machen auch Banken seit Jahren eine neue Erfahrung, dass sie ihre angestammte Rolle verändern müssen. Unternehmen, die selbst keine Banken sind, bieten inzwischen privaten Endkunden finanzielle Dienstleistungen. Das zeigt, dass die Digitalisierung nicht nur Risiken birgt, sondern auch Chancen bietet, neue Produkte zu entwickeln und Geschäftsprozesse zu optimieren. Gleichzeitig verlangt sie eine Unternehmenskultur, die flexibler und schneller auf Kundenwünsche reagiert, sowie eine Arbeitsumgebung, die inspirierend wirkt. „Wir stellen fest“, sagt Frank Kauertz, Abteilungsleiter Standort- und Gebäudeverwaltung der Helaba, „dass der Wohlfühlfaktor eines Büros als ‚weicher Faktor’ für Mitarbeiter zukünftig eine größere Rolle spielt.“

Quadratur des Kreises geschafft
Einen Schritt in die Zukunft wagt die Helaba mit ihrem Pilotprojekt einer neuen Arbeitswelt am Standort Offenbach. Das öffentlich-rechtliche Geldinstitut mit rund 6.150 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von rund 172 Mrd. € zählt zu den führenden Banken am Finanzplatz Frankfurt. Die Bank ist in Deutschland an sieben Standorten präsent, neben den Zentralen Frankfurt und Erfurt. Mit rund 1.400 Mitarbeitern und einer Bürofläche von insgesamt 42.000 m2 ist Offenbach der zweitgrößte Standort der Bank. Er ist Sitz verschiedener Bereiche, unter anderem der LBS, der Helaba Revision, der IT- und Schulungsabteilung sowie der WIBank, die öffentliche Förderaufgaben, insbesondere in den Bereichen Wohnungs- und Städtebau, Infrastruktur, Wirtschaft, Landwirtschaft und Umwelt, wahrnimmt.

Klassische Einzel- und Zweierarbeitsplätze prägen bis heute den Standort in Offenbach. Dabei soll es nicht bleiben, denn die Bank setzt zunehmend auf Open Space-Lösungen. Ein Modellprojekt, das die Helaba jetzt auf einer Etage mit knapp 1.900 m2 realisierte, hat seine Feuertaufe jedenfalls bestanden. Die Prämisse des Projektes lautete, eine intensive Kommunikation für die neu geschaffene Abteilung „Credit Operations“ zu ermöglichen. Die neue Arbeitswelt zeichnet sich durch ein Höchstmaß an Flexibilität bei gleichzeitig großer Flächenwirtschaftlichkeit aus. „Wir haben die Stärken der alten Bürowelt erhalten“, sagt Frank Kauertz, „aber räumlich optimiert.“ Eine Vielzahl von informellen Meeting-Points und Lounge-Möbeln laden zum Dialog und Wohlfühlen ein. Die Think Tanks bieten Raum für Besprechungen und ungestörte Telefonate. Die akustisch optimierten Arbeitsplätze ermöglichen das Arbeiten im Sitzen und Stehen. Sie liefern jetzt den neuen Arbeitsplatzstandard der Helaba. Seit April ist das Konzept am Netz. „Das Feedback, das wir bekommen“, betont Frank Kauertz, „ist überwiegend sehr positiv.“ Anlass für den Manager, mittel- bis langfristig alle vorhandenen Arbeitsplätze überall dort umzustellen, wo die Gebäudestruktur einen wirtschaftlichen Umbau erlaubt.

„Goodies“ überzeugen
Um aus Betroffenen Beteiligte zu machen, setzte die Bank von Anfang an auf Mitarbeiterbeteiligung. „Wir haben nicht verschwiegen“, sagt Frank Kauertz, „dass die Transformation auch mit vielen Vorteilen verbunden ist wie neuen höhenverstellbaren Schreibtischen mit pflegeleichten 3D-Oberflächen, mit attraktiven Lounge-Zonen zum kreativen Austausch sowie Think Tanks, um in Ruhe zu telefonieren oder zu konferieren.“ Alle 95 Arbeitsplätze wurden mit dem TALO.S Lifttisch und integrierten Flyby Paneel sowie Containern und Apothekerschränken ausgestattet, die Stauraum und Sichtschutz zu-gleich bieten. Bewusst entschied sich die Helaba für „energieeffiziente“ Schreibtische; sie lassen sich stromunabhängig und schnell bis auf die individuelle Stehhöhe einstellen: ein Gesundheitsplus und Energieeinsparung direkt am Arbeitsplatz. Möbel und Think Tanks wurden mit schallabsorbierenden Komponenten ausgestattet und die Technik ausgelagert, um den größten Stressfaktor im Open Space zu eliminieren: den Lärm. Das Ergebnis verblüfft. Das Open Space-Büro bietet eine ruhige, angenehme Atmosphäre.

Bei der Farbgebung konzentrierte sich die Bank auf dezente Töne. Während die Arbeitsplätze von eher kühlen, intellektuellen Farben wie grau und blau zur Stärkung der Konzentration geprägt werden, setzen in den Kommunikationszonen der Lounge Chair oder die Phoneboxen aus dem modularen Mittelzonen-Konzeptes NET.WORK.PLACE farbliche Akzente. Auch die zentralen Think Tanks wurden mit Elementen dieses kommunikationsfördernden Möblierungskonzeptes ausgestattet. Lediglich auf Desk Sharing verzichtete die Bank. „Das ist nicht unsere Philosophie“, sagt Frank Kauertz, „denn die Realität zeigt, dass Mitarbeiter, denen kein fester Arbeitsplatz zugewiesen wurde, doch immer am selben Tisch sitzen.“

Auf einen Blick:

Objekt: Büro- und Geschäftshaus „Omega-Haus“, Offenbach
Architekten: ATP Frankfurt
Bürofläche insgesamt: 42.000m²
Mieter: u.a. Helaba
Pilotprojekt Open Space: 1.900 m2
Arbeitsplätze: 95
Think Tanks: 3
Büroplanung: Kreativ Büro GmbH, Rödermark
Büromöbel-Systeme: König + Neurath