Zwischen Tradition und Moderne

Sparkassen gelten als ein Ort der Solidität, Stabilität und Seriosität. Aber auch Sparkassen müssen sich den Zeitläufen anpassen, ohne ihren „öffentlichen Auftrag“ aus den Augen zu verlieren. Mit der Sanierung eines Bestandsgebäudes und einem Erweiterungsbau stellte die Kreissparkasse Garmisch-Partenkirchen die Weichen für die Zukunft. Entstanden sind moderne „Teamwelten“ für rund 130 Mitarbeiter.
Die digitale Revolution fordert Banken und Sparkassen heraus, denn zunehmend werden Abwicklungs- und Transaktionsaufgaben online erledigt. Die Folge: Kunden besuchen im Durchschnitt nur noch einmal im Jahr eine Filiale. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband reagierte vor zwei Jahren mit einer Überarbeitung der Geschäftsstrategie auf diese Entwicklung, um einerseits mehr Raum für persönliche Beratung und digitale Angebote zu haben, andererseits auch mehr betriebswirtschaftliche Freiheit zu erlangen. Mit dem Neu- und Umbau ihrer Hauptstelle stellte unlängst die Kreissparkasse Garmisch-Partenkirchen die Weichen für die Zukunft.

 

Bereits 2009 begannen die ersten Planungen für den neuen Auftritt, so Innenarchitekt Horst Neumaier, der mit seinem Ansbacher Büro für die Umsetzung einer modernen, freundlichen „Kommunikationsstelle“ verantwortlich zeichnete. Anfänglich nur als Grundsanierung geplant, entwickelte sich der „Relaunch“ zum größten Investitionsvorhaben in der Geschichte der Kreissparkasse. Während der Erweiterungsbau aus dem Jahr 1983 ausreichend Substanz besaß, um nach einem Umbau die Erwartungen an eine „Bank der Zukunft“ zu erfüllen, musste das Gebäude von 1929 einem Neubau weichen. „In enger Abstimmung zwischen der Sparkasse und den Planern“, so Horst Neumaier, „wurde ein zukunftsorientiertes Anforderungsprofil entwickelt, das als Gesamtkonzept die Modernisierung eines Altbaus sowie einen Neubauteil beinhaltete.“

 

Zentrale Vorgaben des Entwurfs waren Flexibilität in der Raumgestaltung, die Schaffung eines Wohlfühlambientes sowie eine optimale Funktionalität. Entstanden ist in zweijähriger Bauzeit ein viergeschossiges, atmendes Gebäude, das nur noch wenig gemein hat mit Filialen traditionellen Typs. Dafür sorgen allein das integrierte „Wildkaffee“, das zum Verweilen einlädt, und die Aktionsfläche, die auch für Veranstaltungen und Vernissagen dient. Das Highlight des neuen Gebäudes ist der Tagungsraum „Kristall“ im 4. Obergeschoss. Der Aufbau, der einem Bergkristall nachempfunden wurde, bietet Platz für Tagungen und Veranstaltungen mit bis zu 20 Personen. Zentrale Idee der Architekten war es, mit dem Bau ein Forum zu schaffen, das sich gegenüber Kunden, aber auch der Natur in Form der umliegenden Bergwelt öffnet.

 

Veränderungen sorgen gemeinhin für Unbehagen. In Workshops wurden die Mitarbeiter in die „neue Philosophie“ eingeführt und in die Planung einbezogen, ohne dass dabei die zentralen Ziele aufgegeben wurden. Erste Anlaufstelle ist die offen gestaltete Kundenhalle mit ihren Servicepoints wie z. B. zentraler Empfang, Dialog-Theken, Immobilien-Theke und SB-Insel. Bewusst entschied sich die Sparkasse, die Selbstbedienungsterminals wieder ins Tagesgeschäft zu integrieren, um einer Entfremdung vom Kunden vorzubeugen. Die Beratungszimmer im Erdgeschoss und 1. OG sind regionaltypisch, nahezu wohnlich gestaltet. „Das Konzept“, sagt Neumaier, „basiert auf einer klaren Trennung von Arbeitsplätzen und Kundenräumen.“

 

Flexibel und effizient präsentiert sich der Backoffice-Bereich mit seiner Synthese aus Einzelbüros und offenen Bürolandschaften. Dort, wo gemeinsames Arbeiten sinnvoll ist, schuf das Büro Neumaier sogenannte „Teamwelten“ mit integrierten Rückzugsmöglichkeiten für konzentriertes Arbeiten, Besprechungszonen, Aufenthalts- und Technikzonen. Die Kommunikationszonen wurden mit dem modularen Mittelzonen-Konzept NET.WORK.PLACE eingerichtet. Die Arbeitsplätze sind mit höhenverstellbaren Motortischen der TALIO.S-Reihe oder mit dem Arbeitsplatzsystem DO.IT 4 ausgestattet. Das Arbeitsplatz-System TALO.S bietet mit seinen drei verschiedenen Höheneinstellungen die perfekte Lösung für ergonomisches Arbeiten im Büro. Ergänzt werden die Arbeitsplätze durch die Bürodrehstühle OKAY Netz und CHARTA, die durch ihre Mechaniken ein komfortables und entspanntes Sitzen garantieren. Das Stauraumelemente der ACTA.PLUS Serie strukturieren die Teamwelten. Der Apothekerschrank schafft nicht nur Platz für die Unterlagen direkt am Arbeitsplatz, sondern bietet gleichzeitig im geöffneten Zustand Sichtschutz. Die Konferenzbereiche sind mit PLENUM.K, SUMMA sowie dem Konferenzstuhl AGENDA möbliert. Mit dem Gesamtergebnis zeigt sich Horst Neumaier mehr als zufrieden. Das Möblierungskonzept findet bei den Mitarbeitern breite Zustimmung. Auch die Sparkasse profitierte vom neuen Auftritt, der mit dazu beigetragen hat, das Neukundengeschäft anzukurbeln.

 

Auf einen Blick:
Architekten: Höldrich Architekten, München & Garmisch-Partenkirchen
Innenarchitekten: Neumaier Innenarchitekten, Ansbach
Nutzfläche: 4178m²
Anzahl Büros & Teamwelten: 33
Beratungszimmer: 11
Veranstaltungsräume: 2 (Kristall + Aktionsfläche)
Schulungsraum: 1
Bauzeit: 2 Jahre
Kosten: 18,2 Mio. €